Gründung des Klosters Cappenberg

Gottfried von Cappenberg – Der Stiftsgründer

Gegen alle Widerstände folgt ein Ritter seiner geistlichen Berufung.

Vieles, was man über den Stiftsgründer von Cappenberg zu wissen glaubt, wird von gefälschten Urkunden und Legenden vernebelt. Eines zeigen die verlässlicheren Überlieferungen jedoch: Gottfried von Cappenberg war ein Mann, der Widerständen trotzte und sich von seinem eingeschlagenen Weg nicht abbringen ließ. Als er sich 1122 entschloss, seine Burg zum Kloster umzubauen, stieß die Idee auf wenig Gegenliebe.
Ehefrau, Bruder und eine der beiden Schwestern waren entsetzt, der Schwiegervater tobte und sogar dem Bischof von Münster – sozusagen die zuständige nächsthöhere Kircheninstanz – passte das Ganze nicht. Gottfried focht das nicht an. Er überzeugte den Bruder von seinen Plänen, setzte Frau und Schwester so lange unter Druck, bis sie zumindest bis zu seinem frühen Tod ins Kloster gingen. Dem Widerstand von Schwiegervater und Bischof begegnete Gottfried, indem er seine Stiftsgründung unter den Schutz von Kaiser und Papst stellte.

Die mittelalterliche Grabplatte Gottfrieds zeigt den Stiftsgründer nicht als Geistlichen,
sondern als eleganten Vertreter des ritterlichen Standes. (Foto: Schwarze)

Die Gründe für Gottfrieds radikale Abkehr von seinem bisherigen Leben war seinem engsten Umfeld offenbar ebensowenig verständlich wie bis heute der Nachwelt. Da es keine Selbstzeugnisse des Stiftsgründers gibt, bleiben Historiker auf Vermutungen angewiesen. In die Wiege gelegt war Gottfried der geistliche Stand nicht. Als älterer Sohn und Erbe eines mächtigen Grafengeschlechts wurde er zum Ritter erzogen. Hinweise deuten darauf, dass er bis zu seiner Bekehrung diesen Stand mit allem ausfüllte, was dazugehörte: militärischem Dienst, eleganter Kleidung, standesgemäßer Hochzeit. Die Ehe mit Jutta von Arnsberg bot die Aussicht, den Cappenberger Besitz mit den Arnsberger Gütern zu vereinigen. Gottfried verfügte über weitläufige Güterkomplexe in Westfalen, in Schwaben und in der Wetterau. Nach mittelalterlichem Recht gehörten zu diesem Grundbesitz auch Knechte und Mägde sowie unfreie Dienstleute, Ministerialen genannt.
Statt sein Familienvermögen zu mehren, verwendete es Gottfried, um die Klöster Cappenberg, Varlar (bei Coesfeld) und Ilbenstadt (in der Wetterau) zu gründen. Ausschlaggebend war eine Begegnung mit dem charismatischen Wanderprediger Norbert von Xanten. Der befand sich 1121 auf einer Art Werbefeldzug für eine neue Ordensgemeinschaft. Eine Gemeinschaft asketisch lebender Priester sollte es werden, die später nach ihrer ersten Niederlassung im französischen Prémontré „Prämonstratenser“ genannt wurden. Ungeklärt ist, ob Gottfried nach Köln reiste, um Norbert zu treffen, oder ihn dort zufällig traf. Letztendlich muss er restlos fasziniert gewesen sein von Norberts Persönlichkeit und seinen Ideen, das verweltlichte Ordensleben zu reformieren. Er sagte zu, der neuen Gemeinschaft beizutreten und seinen Besitz in ihren Dienst zu stellen.
Das war im Mittelalter nicht so außergewöhnlich. Die Überlieferung kennt viele Beispiele adeliger Männer und Frauen, die sich aus Überzeugung dem Klosterleben zuwandten. Zu Gottfrieds Zeiten herrschte eine religiöse Aufbruchstimmung, angestoßen durch kirchliche Reformbewegungen während des Investiturstreits. „Ritter bekehrten sich oft in einem spontanen Entschluss: Auf der Stelle warfen sie die Waffen weg und gelobten ein geistliches Leben“, so der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt. Das trifft es im Fall von Gottfried exakt.

Detail der Grabplatte (Foto: Schwarze)

Zu den strittigen Punkten im Leben Gottfrieds gehört die Zerstörung des Doms zu Münster. Der Sakralbau brannte am 2. Februar 1121 ab. Der Grund war eine Fehde zwischen Kaiser Heinrich V. und dem sächsischen Herzog Lothar von Süpplingenburg im Rahmen des Investiturstreits. Die kaisertreuen Münsteraner hatten den papsttreuen Bischof Dietrich aus der Stadt gejagt. Dietrich bat seinen Vetter Lothar, ebenfalls ein Anhänger des Papstes, um Hilfe. Der bot ein Heer gegen die Stadt Münster auf. Laut der Kölner Königschronik sollen die beiden Cappenberger Grafen mit im Spiel gewesen sein – auf Seiten des Süpplingenburgers. Die Chronik legt den Brand des Domes im Wesentlichen Gottfried und Otto zur Last. Nach der Zerstörung des prominenten Gotteshauses soll sie kräftige Reue erfasst haben, was den entscheidenden Anlass zur Stiftsgründung in Cappenberg gab. Denkbar ist allerdings auch, dass Gottfried sich und seinen Besitz auf diese Weise einer drohenden Strafe entziehen wollte. Als Anhänger einer antikaiserlichen Opposition drohte ihm die Reichsacht – verbunden mit einer Konfiszierung seiner Güter.

Detail der Grabplatte (Foto: Schwarze)

Gottfried konnte die Geschicke Cappenbergs nicht mehr lange prägen. Bis zu seinem Tod 1127 widmete er sich vor allem der Aufgabe, die Besitzrechte des Stiftes abzusichern. Während einer Reise mit Norbert von Xanten erkrankte er schwer. In seinem Kloster Ilbenstadt verbrachte er die letzten Wochen seines Lebens und starb dort am 13. Januar 1127. Ein Teil seiner Gebeine blieb in Ilbenstadt, die andere Hälfte ließ Otto 1149 nach Cappenberg überführen. Heilig gesprochen wurde Gottfried nie; in den Bistümern Münster und Mainz wird seiner jedoch am 13. Januar gedacht.

.

Heiligenlegenden

Erfahre mehr über die Heiligenlegenden

Heiligenlegenden

Die Cappenberger Chorherren widmeten ihrem verehrten Stiftsgründer Gottfried eine bisweilen fantasievolle Biografie.
Mehr erfahren

Mehr zu dem Thema

Sein Leben

Der Pate des Kaisers

Kaiser Barbarossa und seine Geschenke