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Rund um das Jahr 2022

2022 feiert ganz Deutschland den Geburtstag von Kaiser Friedrich I. Barbarossa.

Hier finden Sie alles was wir mit dem Thema an Neuigkeiten verknüpfen, schauen Sie regelmäßig vorbei.

24. September 2020

Die arrangierte Ehe

Heirat als Mittel der Politik
in der Zeit Friedrich I. Barbarossa

9. Vortrag in der Reihe „Cappenberger Vorträge zum Mittelalter“

Vor gut besetztem Haus – unter Corona-Auflagen – schilderte die Referentin, Prof. Dr. Hedwig Röckelein, in ihrem Vortrag am letzten Donnerstag im Schlosstheater Cappenberg die Strategien für die Heiratspläne der Staufer. Der Vortrag konnte diesmal nicht nur vor Ort sondern auch in einer Livestream -Übertragung in der Buchhandlung Beckmann in Werne verfolgt werden.

So selbstverständlich wir heute das Recht beanspruchen, unsere Lebenspartner selbst zu wählen, so selbstverständlich galt das Gegenteil in der Zeit Friedrich I. Barbarossa. Ehen wurden im Kindesalter in den Eliten der Zeit von den Eltern oder von ranghohen Personen in der Familie verabredet. Landbesitz wurde dadurch arrondiert, Machtstrukturen ausgebaut und befestigt. Gefühle spielten keine Rolle, weder die Jungen noch die Mädchen hatten Einfluss auf die Entscheidungen. Die Braut brachte eine Mitgift in die Ehe ein, deren Höhe sich an der gesellschaftlichen Stellung des Bräutigams oder der politischen Bedeutung der Verbindung bemaß. Schon im Kindesalter lebte sie am Hof des ausgewählten Bräutigams bis die Ehe im Alter von 12-14 Jahren zustande kam.

Alle machtpolitischen Überlegungen und Blütenträume scheiterten oft an unvorhersehbaren Entwicklungen, als Beispiel dient da eindrucksvoll die Ehe des Grafen Gottfried von Cappenberg mit Jutta von Arnsberg. Auch ganz banale Gründe reichten schon, dass sich die Pläne zerschlugen: Die vorgesehenen Partner starben im Kindesalter oder die strategischen Interessen änderten sich über die Jahre und die Braut wurde wieder nach Hause geschickt.

Aber selbst dann hatte allein die Absicht, eine solche Verbindung einzugehen, bereits Ansehen und Besitz vermehrt und somit zumindest annähernd ihr Ziel erreicht. 
Das Publikum im Saal nahm erstaunt die damaligen Sitten zur Kenntnis und freute sich, dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören.

Die Veranstaltung endete mit dem Hinweis auf den Vortrag im kommenden Jahr
(Jochen Johrendt: Der gute Herrscher und das liebe Geld) und einem Umtrunk in romantischer Atmosphäre vor dem Schloss.

Prof. Dr. Hedwig Röckelein ist seit 1999 Professorin für Geschichte des frühen und hohen Mittelalters an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie studierte Geschichte, Germanistik, Politik und Ur- und Frühgeschichte an den Universitäten Würzburg und Freiburg Br.. Nach der Promotion an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg habilitierte sie sich an der Universität der Freien und Hansestadt Hamburg. Sie publiziert seit vielen Jahren u.a. zur Frauen- und Geschlechtergeschichte des Mittelalters.

 

Text: Hanneliese Palm
Fotos: Claus Gerdel & Marek Lang