Mit Dominic Raacke, Cornelia Kempf, Beatrice Trinca und Volker Stephan
(Foto mit Copyright: Dominic Raacke © Markus Tedeskino)

 

Entgegen gängigen Vorstellungen von mittelalterlichen Regenten, die von einer zentralen Burg und einem festen Thron aus ihr Land regieren, waren die Herrscher des Hochmittelalters sehr mobil. Auch von Friedrich I. ist bekannt, dass er die allermeiste Zeit seines Lebens sein Reich bereiste, dabei in Pfalzen und Zelten residierte und gewissermaßen aus dem Sattel heraus regierte. So kann man auch mit Bezug auf die höfische Kultur des Hochmittelalters bereits von einer mobilen und – im Rahmen ihrer damaligen Grenzen – globalisierten Welt sprechen. Dabei kam es immer auch zu kulturellem Austausch, und es scheint, dass Barbarossa hierfür ein besonderes Interesse hegte und den intellektuellen und künstlerischen Gedankenaustausch schätzte. Die Zeit der Stauferkaiser geht einher mit der Entstehung der höfisch-ritterlichen Epik und der Entwicklung des Heldenepos in der deutschen Literatur, die sich von der sakralen Literatur auch durch die vermehrte Verwendung der deutschen Sprache anstelle des Lateinischen unterschied. Es entstanden Erzählungen wie Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ oder Gottfried von Straßburgs „Tristan und Isolde“, in denen der ritterlichen Heldenreise jeweils zentrale Bedeutung zukommt und die uns heute noch gedanklich beflügeln. Daneben war das Reisen auch Voraussetzung für die kriegerischen Unternehmungen Barbarossas, seien es seine Italienfeldzüge oder die Teilnahme an zwei Kreuzzügen. Hierbei wurde auch von den Verbündeten eingefordert, zusammen mit dem Kaiser in oftmals weit entfernte Schlachten zu ziehen. Wer dieser Mobilmachung nicht Folge leistete, so wie 1176 Barbarossas einst engster Verbündeter Heinrich der Löwe, musste damit rechnen, dass ihm seine Privilegien entzogen wurden.

Im Spiegelsaal von Haus Opherdicke stellt die Literaturwissenschaftlerin Dr. Beatrice Trinca (HU Berlin), zusammen mit Kino- und TV-Schauspieler Dominic Raacke (u. a. „Tatort Berlin“) Heinrich von Veldekes „Eneasroman“ vor, den ersten deutschsprachigen höfischen Roman überhaupt und die erste nicht klerikale Übertragung eines Antikenromans. Einst wurde die einzige existierende Handschrift während einer Reise des Verfassers gestohlen. Aber auch innerhalb des Textes gibt es Erzähltes und Geschriebenes, das durch Zeit und Raum reist. So spielt unter anderem ein Liebesbrief eine wichtige Rolle, der an einem Pfeil befestigt ist.

Im zweiten Teil des Abends liest Cornelia Kempf aus ihrer Romanserie „Der Löwe des Kaisers“ rund um Heinrich III., der lange Zeit einer der wichtigsten Verbündeten Friedrich I. war und ihn auf zahlreichen Unternehmungen begleitete. Da die Autorin eine Leidenschaft für Pferde besitzt, verwundert es nicht, dass in der spannenden Erzählung auch dem Reisen im Sattel viel Platz eingeräumt wird.

Ort: Haus Opherdicke, Dorfstraße 29, 58439 Holzwickede

Eintritt: VVK 19,90 €, erm. 17,90 € | AK 22 €, erm. 20 €

Tickets: Tel. 02303 96 38 50, www.wlb.de bzw. https://pretix.eu/wlb/aufgeweckt/3473209/

Eine Veranstaltung der Reihe „AUFGEWECKT – Kaiser Barbarossa im Spiegel der Zeiten und Literaturen“ des Westfälischen Literaturbüros in Unna e. V. in Kooperation mit dem Kreis Unna, gefördert von der Kunststiftung NRW.

www.wlb.de/projekte/aufgeweckt

  • 4. November 2022
    19:30 - 21:00

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