1122

Die Autoren der Beiträge zu Gottfried und Otto von Cappenberg sind Fredy Niklowitz, Wilfried Heß, Dr. Widar Lehnemann

Gottfried von Cappenberg

Gottfried von Cappenberg – Vom Grafen zum Diener Gottes

In der Menschheitsgeschichte gibt es immer wieder Beispiele dafür, dass eine Person ihren Lebenswandel radikal und mit aller Konsequenz verändert. Dies gilt für Saulus von Tarsus (lebte vermutlich 10 vor bis 60 nach Christus), einem erbitterten Gegner des Christentums. Nach einer Vision, in der Jesus ihn fragte, warum er ihn verfolge, wurde er zum Paulus, einem erfolgreichen Missionar des Urchristentums. Dies gilt ebenso für Franz von Assissi (1181/82-1226), der als Sohn eines reichen Kaufmanns nach einer Vision, in der Gott zu ihm gesprochen haben soll, auf sein Erbe verzichtete, sich von seinem Vater lossagte und den Franziskanerorden gründete. Und dies gilt auch für den österreichischen Ex-Millionär Karl Rabeder (geb. 1962), der sein gesamtes Vermögen spendete und nun auf einer Almhütte in bescheidenen Verhältnissen und mit geringem Einkommen lebt.

Gleiches gilt für Graf Gottfried von Cappenberg, der seinen Grafentitel niederlegte, all seinen Besitz und sein Eigentum aufgab, dem Hl. Norbert von Xanten folgte und zum Mitgründer des Prämonstratenserordens wurde.

Graf und Ritter

Die Lebensbeschreibung (Vita) des Hl. Norbert von Xanten beschreibt Gottfried von Cappenberg als einen „mächtigen Grafen in Westfalen“ und „mächtig in den Waffen“. Danach hatte Gottfried nicht nur das Kriegshandwerk erlernt, sondern er konnte auch eine beträchtliche Streitmacht aufbieten, wie die kriegerischen Auseinandersetzungen im Februar 1121 zu Münster zeigen. Darüber hinaus wird Gottfried als reich geschildert, mit Grundeigentum und mit „Knechten und Mägden wohl ausgestattet“.1Die erwähnte Vita kennzeichnet Gottfried darüber hinaus als einen Mann, der Gut und Böse sehr bewusst unterschied. In einem Gespräch mit Norbert von Xanten äußerte Gottfried einmal, dass auf der Burg Cappenberg das „Laster geherrscht“ habe.2

Noch deutlicher wird dieser Charakterzug in Aussagen der eigenen Lebensbeschreibung, der Vita Gottfrieds. Danach verzichtete Gottfried in Kriegszeiten bewusst auf Schädigungen der unbeteiligten Bevölkerung. Auch klagte er darüber, wenn das Kriegsvolk Plünderungen vornahm.Wenn eigene Untergebene geplündert hatten, erzwang er von ihnen die Rückgabe des geraubten Gutes.4

Gottfried von Cappenberg als Ritter mit seinem Wappenschild, Grabdenkmal in der Stiftskirche Cappenberg (Foto Sarah Gerusel, Stadtarchiv Lünen)

Ein weiteres Beispiel für das von christlichen Grundsätzen bestimmte Verhalten Gottfrieds überliefert eine für das Jahr 1118 von Bischof Dietrich von Münster ausgestellte Urkunde.Mit dieser wurden Streitigkeiten zwischen Bewohnern im Kirchspiel Coesfeld und Leuten des Grafen von Cappenberg beigelegt. Die Bewohner hatten von den Cappenbergischen Leuten „Bedrückungen“ erfahren; die Urkunde spricht von „nicht hinnehmbarer Gewaltherrschaft“. Als Wiedergutmachung erhielten die Betroffenen aus dem Eigentum des Grafen zwei Wälder. Bemerkenswert ist, dass der Bischof betont, Gottfried und sein Bruder Otto hätten bereits zu diesem Zeitpunkt die Absicht gehabt, in einen geistlichen Orden einzutreten.

Die Absicht Gottfrieds und auch die seines Bruders Otto, in den geistlichen Stand einzutreten, wurde durch Gottfrieds Annahme des Lehens seines Vaters, der Grafschaft Cappenberg, durchkreuzt. Den sich aus dem Grafenamt ergebenden Pflichten nachkommend, heiratete Gottfried wohl 1120 Jutta von Arnsberg, die Tochter seines Stiefonkels, des Grafen Friedrich von Arnsberg. Dieser hatte keine männlichen Erben. Friedrichs Ziel war es offenbar, die Grafschaften Cappenberg und Arnsberg in einer Hand zu vereinigen. Damit wäre Gottfried vermutlich zum mächtigsten Grafen im Nordwesten des Heiligen Deutschen Reiches geworden. Die Ehe zwischen Gottfried und Jutta blieb kinderlos.

Ritter und Herr einer Grafschaft zu sein, der die Aussicht hatte, noch mächtiger zu werden, war für die meisten Menschen des frühen 12. Jahrhunderts etwas nachvollziehbar sehr Erstrebenswertes. Wie verwunderlich muss es daher auf die Zeitgenossen gewirkt haben, dass Graf Gottfried diesen Weg nicht weiterging, sondern auf alles verzichtete und den Weg der Armut einschlug. Verständlich ist daher der Versuch, eine „Erklärung“ für die Aufgabe des weltlichen Lebens durch Gottfried und seinen Bruder Otto zu finden.

Einen Erklärungsversuch für den Eintritt Gottfrieds und Ottos in einen geistlichen Orden versucht ein später Nachtrag zur Kölner Königschronik zu liefern. In ihr wird der Vorwurf erhoben, Gottfried und sein Bruder Otto seien die Urheber für die Zerstörung des Domes zu Münster im Jahre 1121 gewesen und sie hätten deshalb, von Reue ergriffen, dem weltlichen Leben entsagt.6

1121 – Der Dom brennt

1119 gab es in der Stadt Münster einen Aufstand. Der amtierende Bischof Dietrich von Winzenburg wurde wegen seiner im Investiturstreit eingenommenen Haltung für den Papst von seinen kaisertreuen Ministerialen und dem Domkapitel vertrieben.7  Mit der Vertreibung des Bischofs brachen die Bewohner von Münster den Landfrieden. Der entmachtete Bischof beklagte sich beim Herzog von Sachsen, Lothar von Süpplingenburg, als dem Landfriedenswahrer und bat ihn um Hilfe.Herzog Lothar, ein Vetter des vertriebenen Bischofs, verhielt sich familien- und auch papsttreu. Er sammelte 1121 ein starkes Heer, um Dietrich gegen den Willen des Kaisers wieder als Bischof von Münster einzusetzen.Zu den Anführern des Heeres gehörte auch Graf Gottfried von Cappenberg. Münster lag im Herzogtum Sachsen und war von der Grafschaft Cappenberg umgeben. Mit dem Kriegszug gegen die Stadt Münster kam Herzog Lothar der Pflicht nach, den Landfrieden wiederherzustellen und den rechtmäßigen Bischof von Münster wieder einzusetzen.

Steinfigur im Paradies des Doms zu Münster, die Gottfried von Cappenberg darstellen soll (Foto Fredy Niklowitz, Stadtarchiv Lünen)

Im Zusammenhang mit der Eroberung Münsters am 2. Februar 1121 brannten nicht nur die im Vorfeld gelegenen Häuser des zu diesem Zeitpunkt noch unbefestigten Ortes, sondern auch die Domburg mit der Domkirche nieder.10 Der Chronist Ekkehard von Aura (lebte vor 1085 bis nach 1125) berichtet als Zeitzeuge in seiner Weltchronik, wie die Bewohner von Münster versuchten, sich und ihr Hab und Gut vor den anrückenden Truppen des Herzogs in die mit einer Mauer umgebene Domburg in Sicherheit zu bringen. In diesem Zusammenhang ging die der Domburg vorgelagerte Siedlung in Flammen auf. Das Feuer griff auf die Gebäude innerhalb der dicht bebauten Domburg über und zerstörte auch den Dom.11 Gottfried von Cappenberg hat den Brand, der zur Vernichtung des Domes führte, somit nicht verursacht.

Einen anderen Erklärungsversuch dafür, dass Gottfried seinen Grafentitel aufgab, um stattdessen ein klösterliches Leben zu führen, teilt die Chronik der Bischöfe von Münster aus dem 14. Jahrhundert mit. Darin heißt es, dass es den beiden Brüdern so vorkam, als ob sie beide keinen Kopf auf ihrem Körper hätten. Sinn dieser Aussage ist es, dass Gottfried und Otto den Eindruck gewonnen hatten, sie hätten ihr Leben bisher „kopflos“ gelebt. Wer „kopflos“ handelt, handelt ohne Sinn und Verstand. Aufgrund dieser Erkenntnis stellten sich die Brüder die Frage nach dem Sinn ihres Lebens und sie richteten ihr Leben in der Folgezeit neu aus.12

Beruf – Berufung

Aus den zeitgenössischen Quellen ergibt sich für Gottfried das Bild eines Mannes, der wie selbstverständlich seine Pflichten als ältester Sohn des Grafen von Cappenberg erfüllte. Gleichzeitig brannten in ihm eine innere tiefe Zerrissenheit und die Sehnsucht nach einer geistlichen Berufung. Beruf (hier eines Grafen) und Berufung (der Wunsch nach einem geistlichen Leben) widersprachen sich und die Berufung gewann nach und nach die Oberhand. Prozesse dieser Art erstrecken sich im Allgemeinen über einen längeren Zeitraum. Am Ende eines solchen Prozesses steht meist ein Ereignis, das das Leben des Betroffenen schließlich völlig verändert.13

Dieses Ereignis war für Gottfried von Cappenberg als einem religiösen Menschen sicherlich der Brand des Domes zu Münster. Die Zerstörung desselben mit anzusehen, für den er nichts konnte, war für ihn ein entsetzliches Ereignis. Die sich daran anschließende Veränderung in seinem Leben mag aus der Sicht des Außenstehenden eine radikale Wendung gewesen sein. Gottfried selbst machte sich von allen gesellschaftlichen Zwängen frei, um endlich „seinen“ Weg gehen zu können.14Nach dem Brand von Münster im Februar 1121 trat Gottfrieds alter Wunsch nach Eintritt in einen geistlichen Orden in den Vordergrund. Dabei brachte der Herbst des Jahres 1121 für ihn zwei richtungweisende Ereignisse:

Auf dem Reichstag zu Würzburg im September/Oktober des Jahres wurde ein allgemeiner Friede zwischen dem Kaiser und den Fürsten geschlossen und die Aussöhnung mit dem Papst zur Beendigung des Investiturstreits vorbereitet.15Gottfried musste zur Sicherung des geschlossenen Friedens Geiseln stellen,16  ein Hinweis auf seine besondere politische und militärische Stellung im Reich.

Gottfried von Cappenberg legt seine Grafenkrone ab (Chorfenster der Stiftskirche Cappenberg (Foto Sarah Gerusel, Stadtarchiv Lünen)

Das zweite Ereignis war die Begegnung Gottfrieds mit Norbert von Xanten, der Gottfried tief beeindruckt haben muss. Norbert hielt sich im Oktober/November 1121 in Köln auf.17  Er war auf der Suche nach Menschen, die bereit waren, seiner klösterlichen Lebensgemeinschaft in Prémontré beizutreten. Norbert war ein charismatischer Prediger und wusste die „Werbetrommel“ für sich zu rühren; davon zeugt sein Erfolg. Er wurde immer wieder gebeten zu predigen. Schließlich sammelte er rund 30 Männer, die in seine klösterliche Lebensgemeinschaft eintraten. Norbert muss auch auf Gottfried überaus mitreißend gewirkt haben.

Die Begegnung zwischen Norbert und Gottfried eröffnete für beide neue Perspektiven.18  Gottfried, auf der Suche nach seinem Weg zu Gott, war von Norbert und dessen Ideen fasziniert. Für Norbert hingegen boten das Interesse und das Engagement Gottfrieds die Gelegenheit, auch in Deutschland eine klösterliche Gemeinschaft zu gründen, die seinen Ideen folgte.

Zwischen Gottfried und Norbert entstand eine enge persönliche Beziehung mit gegenseitiger Unterstützung. In den folgenden Monaten trieb Gottfried die Umsetzung seiner Pläne konsequent und gegen alle Widerstände voran. Hierzu gehörten:

  • Die Aufgabe seiner Grafenrechte an den Grafschaften Cappenberg und Hildrizhausen;
  • Die Aufgabe allen weltlichen Besitzes;
  • Die Umwandlung der Familienburg Cappenberg in ein Stift;
  • Die Verwendung von Familienvermögen für die Gründung der Klöster Varlar bei Coesfeld und Ilbenstadt in der Wetterau;
  • Die Überzeugung seiner Ehefrau und möglichst aller Familienangehörigen, ebenfalls in die klösterliche Gemeinschaft Norberts einzutreten.

Dass dies den Interessen seiner Familienangehörigen und vielen seiner von ihm abhängigen Mitmenschen schadete, interessierte ihn wenig – ein Schatten, der auf Gottfrieds konsequenten Weg in die klösterliche Gemeinschaft Norberts von Xanten fällt.

Norbert von Xanten erhält das Ordensgewand vond er Muttergottes und die Ordensregel vom hl. Augustinus (Gemälde von Hermann Veltmann von 1696 in der Stiftskirche Cappenberg; Foto Fredy Niklowitz, Stadtarchiv Lünen)

Widerstände

Gottfrieds Pläne, seinen Besitz vollständig aufzugeben und sich in ein klösterliches Leben zu begeben, wozu er auch andere, ihm nahestehende Personen aufforderte, stießen auf erheblichen Widerstand. Nach der Vita des Hl. Norbert von Xanten wandten sich seine Ehefrau Jutta, sein Bruder Otto, seine Gefolgsleute (Vasallen und Ministerialen), Gottfrieds Schwiegervater Friedrich von Arnsberg und selbst der Bischof von Münster gegen Gottfrieds Plan.19 Offenbar hatte Gottfried ohne Anhörung dieser betroffenen Personen Norbert von Xanten konkrete Schenkungszusagen gemacht. Aufgrund der von Gottfried so eingegangenen Verbindlichkeiten wurden seine Familie und die von ihm abhängigen Personen mit massiven Eingriffen in ihre persönlichen Verhältnisse und Lebensplanungen konfrontiert. Gottfried blieb unbeirrbar und verfolgte konsequent die Umsetzung seines Planes.

Stifterdenkmal (Epitaph) mit Gottfried und Otto von Cappenberg, dargestellt als Ritter, in der Stiftskirche Cappenberg (Foto Günter Blaszczyk, Lünen)

Otto von Cappenberg:Die Vita des Hl. Norbert weist auf den Widerstand Ottos hin.20 Es stellt sich jedoch die Frage, wogegen sich dieser richtete. Bereits 1118 soll auch Otto die Absicht gehabt haben, in den geistlichen Stand einzutreten.21 Es ist denkbar, dass Otto zwar in einen Orden eintreten, aber zunächst im Gegensatz zu Gottfried nicht bereit war, das gesamte Familienvermögen in die Hand der Kirche zu geben. Gottfried scheint seinen Bruder von der Richtigkeit seines überaus konsequenten Weges überzeugt zu haben. Den historischen Quellen nach herrschte in der Folgezeit zwischen Otto und Gottfried völliges Einvernehmen: Sie gingen gemeinsam ihren Weg in die klösterliche Gemeinschaft Norberts von Xanten und in den 1126 von Papst Honorius II. bestätigten Prämonstratenserorden.22

Im Frühjahr 1156 wurde Otto Propst des Stifts Cappenberg. Seine Tätigkeit für das Stift Cappenberg hatte nachhaltige Wirkung.

Gottfrieds Familie:Gottfrieds Schwester Beatrix wurde Nonne in Cappenberg.23Seine zweite Schwester Gerberg war mit dem Plan ihres Bruders nicht einverstanden. Sie ließ sich heimlich von Bernhard von Erperode entführen, den sie heiratete. So entging sie dem von ihr geforderten geistlichen Leben.24 Gottfrieds Halbschwester Eilika heiratete um 1121 den Grafen Egilmar II. von Oldenburg.25 Vermutlich war sie von vornherein von den Planungen Gottfrieds nicht betroffen. Über einen Widerstand seiner Mutter Beatrix wird nichts erwähnt. Es ist nicht auszuschließen, dass sie 1122 bereits verstorben war.

Gottfrieds Ehefrau Jutta:Nach der Vita Gottfrieds versuchte Jutta, „sich den Überredungsversuchen ihres Gemahls zu entziehen“.26 Der Vita Norberts von Xanten nach widersprach Jutta seinen Plänen und es kam zwischen den beiden zum Streit.27 Jutta fand bei ihrem Vater, dem Grafen Friedrich von Arnsberg, Unterstützung. Letztlich gab sie ihre Zustimmung und trat 1122/1123 in die klösterliche Gemeinschaft ein.28 Die Vita Gottfrieds begründet Juttas Einlenken mit „frommen und heilsamen Ermahnungen ihres […] Mannes“. Die Vita sagt ausdrücklich, dass Jutta „den heiligen Schleier nahm“, also in die klösterliche Gemeinschaft eintrat.29

Für Jutta war in dieser Angelegenheit jedoch das letzte Wort nicht gesprochen. Anfang 1124 ließ sie sich aus der klösterlichen Gemeinschaft in Cappenberg entführen. Der Fluchtversuch scheiterte, weil Gottfried ihn vereitelte.30 Jutta legte kein Ordensgelübde ab und nach der Abreise Gottfrieds nach Prémontré im Herbst 112531 und noch vor der Anerkennung des Prämonstratenserordens durch Papst Honorius II. im Februar 1126 verließ sie die klösterliche Gemeinschaft. Sie kehrte nach Arnsberg zurück und trat ihr Erbe an. Nach Gottfrieds Tod 1127 heiratete sie erneut. Mit ihrem zweiten Ehemann Gottfried von Cuyk hatte sie Kinder und gründete so mit ihm die neue Linie der Grafen von Arnsberg.32

Gottfrieds Schwiegervater Friedrich von Arnsberg: Als schärfster Gegner erwies sich Gottfrieds Schwiegervater Friedrich von Arnsberg, der auf Grund seines Charakters bereits von Zeitgenossen den Beinamen „der Streitbare“ erhielt.33 Friedrich war darauf bedacht, die Existenz der Grafschaft Arnsberg zu sichern. Da er keinen männlichen Erben hatte, bestand sein Ziel darin, die beiden Grafschaften Arnsberg und Cappenberg in eine Hand zu geben.34

Grafschaft Cappenberg nördlich und Grafschaft Arnsberg südlich der Lippe (Ausführung Nick Mengelkamp, Dortmund-Lanstrop)

Als Gottfried begann, auf jeglichen Besitz zu verzichten und in den geistlichen Stand einzutreten, ließ dies Friedrichs Planungen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Er fürchtete, dass die Grafschaft Arnsberg an seinen Lehnherrn zurückfallen und nicht im Besitz der Nachfahren seiner Tochter verbleiben würde. Friedrich beschränkte sich nicht auf Beleidigungen, Beschimpfungen und Drohungen. Er strebte Gerichtsverfahren wegen des Brautschatzes seiner Tochter an und schreckte nicht davor zurück, mit bewaffneter Macht gegen Cappenberg vorzustoßen.35 Er drohte damit, die Burg Cappenberg zu belagern und Norbert von Xanten aufzuhängen.36 Gottfried ließ sich nicht einschüchtern. So musste Friedrich miterleben, wie Gottfried in den Fürstenversammlungen zu Maastricht und Utrecht Mai/Juni 1122 seine Grafschaften aufgab und zusagte, sich und alle seine Habe der Gemeinschaft des Norbert von Xanten zu übergeben.37

Friedrich von Arnsberg starb im Februar 1124 ohne männlichen Erben. Die Grafschaft Arnsberg bestand dennoch weiter fort: Seine Tochter Jutta übernahm das Erbe und gründete die neue Arnsberger Linie.38

Bischof Dietrich von Münster:Auch der Bischof von Münster wandte sich gegen Gottfrieds Plan, da dessen Umsetzung für ihn und sein Bistum eine Veränderung der machtpolitischen Verhältnisse mit sich hätte bringen können. Schließlich hatte Gottfried erst kurze Zeit zuvor (1121) zur Wiedereinsetzung des Bischofs beigetragen und könnte so einer der Garanten für den Machterhalt des Bischofs gewesen sein. Zudem war Münster von der Grafschaft Cappenberg räumlich umgeben.

Die Haltung des Bischofs änderte sich, als Klarheit darüber bestand, dass die Grafschaft Cappenberg sein Herrschaftsbereich wurde. Die Übertragung der Grafschaft an die Kirche von Münster erfolgte durch oder mit Zustimmung des Herzogs von Sachsen als Lehnsherrn. Mit der Übertragung verbunden war auch die Übernahme von 105 (!) Ministerialen.39 Dies bedeutete für den Bischof, dass er neben seiner geistlichen Macht nun auch weltliche Herrschaft ausübte. Dies war die Keimzelle zur Entwicklung des späteren Fürstbistums Münster.

Unbefriedigend für den Bischof blieb die Nutzung der Burg Cappenberg. Die Burg, zu dieser Zeit die einzige Höhenburg des Münsterlandes, war stark befestigt. Ihre strategische Bedeutung ergab sich aus der Nähe zum Lippeübergang bei Lünen, über den eine wichtige Fernhandelsstraße führte. Der Bischof bot Gottfried den Tausch der Burg gegen eine andere „Wohnstätte“ an, was dieser ablehnte.40

Letztendlich gab Bischof Dietrich von Münster seine Zustimmung zu Gottfrieds Plan. Am 15. August 1122 wandelte er die Burg Cappenberg durch feierliche Weihe in einen Kirchenbezirk um.41Hier bestand fortan Immunität gegenüber weltlicher Herrschaft und Gerichtsbarkeit. Am gleichen Tag wurde das Fundament für einen Kirchenbau gelegt, der heutigen Stiftskirche.

Ministerialen:Ministerialen gehörten dem niederen Adel an und waren waffenfähige Dienstleute z. B. eines Grafen. Sie lebten auf dem Lande und besaßen eigene befestigte Häuser. Die Vita Gottfrieds von Cappenberg erzählt von dem Unverständnis einiger seiner Ministerialen, die behaupteten, Gottfried „sei wahnsinnig geworden und folge jenem […] Betrüger Norbert [von Xanten]. Er […] lasse sie vereinsamt und gleichsam ohne Haupt zurück“. Sie wandten sich gegen den Plan, „eine Burg von solchem Ansehen und von solcher Bedeutung“ aufzugeben.42Vermutlich hatte Gottfried ihnen zum Zeitpunkt der Bekanntgabe seiner Absichten noch keine Angaben dazu machen können, welcher Herrschaft sie zukünftig unterstellt sein würden. Letztendlich übergab er seine Ministerialen – 105 an der Zahl ! – in die Obhut des Bischofs von Münster. Dieser wurde ihr neuer Lehnsherr und sicherte damit ihre Zukunft.

Die Lebensbeschreibung des Hl. Norbert von Xanten berichtet, dass Gottfried mit „Knechten und Mägden wohl ausgestattet“ gewesen sei.43 Über deren Schicksal ist nichts bekannt. Möglicherweise fanden sie eine Weiterbeschäftigung in der klösterlichen Gemeinschaft in Cappenberg.

Diener Gottes

Gottfried änderte konsequent seinen Lebenswandel. Obwohl er noch nicht Mitglied eines Ordens werden konnte, führte er schon vor seinem Weggang nach Prémontré im Herbst 1125 ein Leben in Armut, Demut und im Dienst am Nächsten. Nach der Vita Godefridi mochte er sich nicht mehr mit seinem Grafentitel anreden lassen. Gottfried war sich nicht zu schade, selbst niedrigste Dienste zu versehen wie das Reinigen der Kloake des Klosters Cappenberg. Er gründete ein „Fremdenhaus“; den dort Untergebrachten wusch er häufig die Füße und bedachte sie mit Geldspenden.

Seine Barmherzigkeit war außerordentlich. Die Vita Godefridi erzählt: „Aussätzige oder Kranke von noch so niedrigem Stande verachtete er nicht, so daß er zum Erstaunen seiner Diener einen ganz armen Mann, der bei ihm krank lag, besuchte und sich zu ihm setzte. Er scheute sich nicht, aus dessen schmutzigem Gefäß mit ihm zu trinken, stellte sich dem Kranken in allen Dingen zu Gebote und pflegte ihn […] so, wie er selbst gepflegt zu werden wünschte, wenn er an derselben oder einer ähnlichen Krankheit litte.“ Eine Krankenstube der Laienbrüder des Klosters Cappenberg ist bereits für die Zeit vor 1126 erwähnt.

Der ehemals reiche und mächtige Graf wollte nur noch dem Nächsten dienen; er wollte einer der geringsten Diener Gottes sein. Dieser Wunsch war gepaart mit der Sehnsucht, vor Gottes Angesicht zu treten. Dies war keine Flucht vor der Welt, sondern tiefste Sehnsucht nach Gott. Die Vita Godefridi erzählt, Gottfried habe mehr als einmal den dringenden Wunsch geäußert: „O wenn doch die Stunde unseres Todes käme! O wenn du, mein Herr Gott, doch mich zu dieser Stunde in Stand setzen und vorbereiten wolltest!“

Reliquien

Im Herbst 1126 befiel ihn eine „schleichende Krankheit“.48 Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte Gottfried im Prämonstratensstift Ilbenstadt. Er starb am 13. Januar 1127.49

Gottfried hatte sich gewünscht, in Cappenberg beigesetzt zu werden. Doch wurde er in der von seiner Mutter Beatrix in Ilbenstadt gestifteten Kapelle St. Georg bestattet. Erst im Januar 1148 gelang es Otto, mit dem Stift Ilbenstadt einen Kompromiss über den Verbleib der Gebeine seines Bruders Gottfried zu vereinbaren: Der Oberkörper Gottfrieds blieb in Ilbenstadt. Dort wurde er am 13. Januar 1149 in die im Bau befindliche Stiftskirche transferiert.50 Der andere Teil seines Leichnams wurde nach Cappenberg überführt, wo die Gebeine am 12. Februar desselben Jahres eintrafen. Die feierliche Beisetzung erfolgte erst am 16. September 1149 durch Bischof Werner von Münster, der sie vor dem Hochaltar in einen neuen Reliquienschrein niederlegte,51 in dem sie sich noch heute befinden.

Grabmal in der Basilika St. Maria, Petrus und Paulus Ilbenstadt (Foto Wilfried Heß, Kamen)

Eine pathologische Untersuchung von Gebeinen Gottfrieds von Cappenberg in den 1990er Jahren ergab, dass er an der endemischen Syphilis starb. Dabei handelt es sich nicht um eine Geschlechtskrankheit. Die endemische Syphilis wird bei engem sozialen Kontakt unter schlechten hygienischen Verhältnissen übertragen, z. B. durch die gemeinsame Nutzung von Essgeschirr oder Trinkgefäßen. Die Vita Godefridi gibt zu der Ursache der Infektion einen Anhaltspunkt.

Reliquienschrein in der Stiftskirche Cappenberg mit Gebeinen Gottfrieds und Ottos von Cappenberg (Foto Günter Blaszczyk, Lünen)

Möglicherweise infizierte sich Gottfried an dem schmutzigen Geschirr eines armen kranken Mannes, aus dessen Becher er trank. Gottfried war sich der Gefahr bewusst gewesen und hatte den Wunsch geäußert, selbst einmal so gepflegt zu werden, wenn er an derselben Krankheit leiden würde.52 In einem mehrphasigen Krankheitsverlauf werden bei der endemischen Syphilis Knochen, aber auch die Haut befallen. Dabei kommt es zur Entstellung des Erkrankten.53 Die Krankheit endet mit dem Tod.

Liturgische Verehrung

Gebetszettel aus Frankreich mit dem hl. Gottfried und Phantasiedarstellungen der drei Klöster Cappenberg, Ilbenstadt und Varlar (Privatbesitz; Foto Sarah Gerusel, Stadtarchiv Lünen)

„Obgleich Gottfried trotz mancher Bemühungen nicht offiziell heiliggesprochen wurde, ist seine kirchliche Verehrung anerkannt.“54 Gottfried wird noch heute in den Diözesen Mainz und Münster als Bistumsheiliger verehrt. Sein Fest wird am 13. Januar, seinem Todestag, gefeiert.Gottfried zählt zu den Ordensheiligen des Prämonstratenserordens. 1614 genehmigte Papst Paul V. seinen Kult in Cappenberg und Papst Benedikt XIII. am 22. Januar/8. März 1728 für den ganzen Orden.

Die katholische Pfarrgemeinde Ilbenstadt in der Stadt Niddatal in der Wetterau bei Frankfurt feiert nicht nur den Gedenktag des hl. Gottfried am 13. Januar. Jeweils am ersten Sonntag im September gedenkt die Gemeinde der Rückführung des Hauptes des hl. Gottfried nach Ilbenstadt. Nach der Säkularisation des Stifts Ilbenstadt im Jahre 1803 hatte der letzte Abt desselben, Caspar Lauer, die wertvolle Schädelreliquie 1806 an die Prämonstratenserabtei Strahov in Prag gesandt, wo die Gebeine des Heiligen Norbert verehrt wurden. Heinrich Kissel, von 1907 bis 1927 Pfarrer in Ilbenstadt, gelang es, die Reliquie 1911 nach Ilbenstadt zurückzuerhalten.

Die Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist Cappenberg begeht alljährlich am 13. Januar bzw. am nachfolgenden Sonntag das Gottfriedfest.

Otto von Cappenberg

Otto von Cappenberg – Der Pate des Kaisers

Otto wurde um 1100 geboren. Er war der jüngere Bruder des Grafen und Stifters Gottfried II. Wie sein Bruder wird auch er 1118 zum ersten Mal erwähnt.55 Obwohl Otto den Grafentitel führte, war er kein regierender Graf und stand bis zu Gottfrieds Tod 1127 in dessen Schatten. Als Gottfried in den geistlichen Stand eintrat, versuchte Otto nicht selbst Graf von Cappenberg zu werden. Vielmehr teilte er nach anfänglichem Widerstreben den Lebensweg seines Bruders und wurde wie dieser Mitglied des Prämonstratenserordens.

Gottfried und Otto von Cappenberg in adeliger Kleidung (Chorgestühl der Stiftskirche Cappenberg; Foto Sarah Gerusel, Stadtarchiv Lünen)

Otto überlebte seinen Bruder um mehr als 40 Jahre. 1156 wurde er Propst des Stifts Cappenberg. Hier starb er am 26. Januar oder 23. Februar 1171.56 Seine Gebeine wurden in der Kirche zu Cappenberg zu denen seines Bruders Gottfried gelegt.57 Otto von Cappenberg wird als Seliger verehrt. Sein Festtag ist der 23. Februar.58Ottos Tätigkeit für den Prämonstratenserorden, insbesondere in seiner Zeit als Propst zu Cappenberg, hatte für das Stift Cappenberg und das Bistum Münster nachhaltige Wirkung.

Stiftung des Klosters Wirberg

Otto unterstützte nicht nur die Gründung der Prämonstratenserstifte Cappenberg, Ilbenstadt und Varlar. Er sorgte auch für die Gründung des Klosters Wirberg bei Gießen. Nach dem gleichzeitigen Tod des Manegold von Wirberg59 und seines Sohnes kam es zu Erbauseinandersetzungen. Zu der Herrschaft gehörten die Burgen Wirberg und Hagen. Ottos Einfluss ist es zu verdanken, dass Imeza von Wirberg, Witwe des verstorbenen Manegold, 1149 mit Unterstützung durch „päpstliche und königliche Macht“ in der Burg Wirberg für den Prämonstratenserorden ein Doppelkloster einrichtete. Otto half Imeza, diese Klostergründung gegen den Willen der Familie ihres verstorbenen Mannes durchzusetzen. Auch soll Imezas Tochter Aurelia, Objekt zahlreicher Heiratspläne, gegen den Willen von Angehörigen in das Frauenkloster eingetreten sein. Otto habe sie eines Nachts mit ihrer Zustimmung „nicht ohne eigene Lebensgefahr“ entführt, um sie in Sicherheit zu bringen. Zudem soll er selbst die Zerstörung der Burg Hagen mit Feuer veranlasst haben.60

Der Pate des Kaisers

Die Familie der Grafen von Cappenberg gehörte aufgrund ihrer Abstammung und ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen bis in die Königsfamilien der Salier und Staufer hinein zu den angesehenen Familien des Reiches. Für Gottfried und Otto von Cappenberg lassen sich entfernte, aber doch ganz konkrete verwandtschaftliche Beziehungen zu Kaiser Heinrich V. und Kaiser Friedrich I. Barbarossa nachweisen: Die Urgroßmütter von Otto von Cappenberg und Herzog Friedrich II. von Schwaben (Irmgard und Adelheid von Turin) waren Schwestern. Darüber hinaus war Otto Taufpate des späteren Kaisers Friedrich I. Barbarossa.

Von Herzog Friedrich II. von Schwaben besaß Ottos Bruder Gottfried die Grafschaft Hildrizhausen als Lehen,61die dieser Ende Mai 1122 mit Ottos Zustimmung zurückgab.

Zwischen dem 20. und 23. Dezember 1122 wurde der Sohn des Herzogs geboren,62 wie sein Vater Friedrich genannt. Otto von Cappenberg wurde sein Pate. Möglicherweise war dies eine Dankesbezeugung seitens Herzogs Friedrich II. von Schwaben für die Rückgabe der Grafschaft Hildrizhausen und des dazugehörigen umfangreichen Besitzes. Der Täufling sollte später als Friedrich I. Barbarossa einer der bedeutendsten Kaiser des Reiches werden.

Die Schenkung des Kaisers

Friedrich I. Barbarossa bezeichnet Otto in Urkunden als seinen Verwandten (consanguinei)63 und Paten (patrino)64. Eine Schenkung zeugt davon, dass die Beziehung zwischen ihm und seinem Patenonkel Otto aufrechterhalten wurde.

Otto von Cappenberg wurde 1156 in das Amt des Propstes des Stifts Cappenberg eingeführt.65 Vermutlich in diesem Zusammenhang übergab Kaiser Friedrich seinem Patenonkel Otto zwei kostbare Geschenke, deren Inschriften einen Bezug zu Otto herstellen: die sogenannte Taufschale, auf deren Boden die Taufe Friedrichs dargestellt ist, sowie eine vollplastische Darstellung des Kaisers, den Barbarossakopf. Es ist nicht auszuschließen, dass Friedrich Barbarossa persönlich an der Amtseinführung Ottos als Propst von Cappenberg teilnahm. Nachweislich feierte der Kaiser das Osterfest am 15. April 1156 im nicht weit entfernten Münster.66

Nach den für Prämonstratenser geltenden Ordensregeln haben die Mitglieder des Ordens kein persönliches Eigentum, nicht einmal persönliche Kleidung.67 Folglich konnte Otto diese beiden kostbaren Gegenstände nicht als persönliches Eigentum behalten: Er machte sie dem Stift Cappenberg zum Geschenk und stellte hierüber eine Urkunde aus.

Taufschale

Auf dem Grund der silbernen und teilweise vergoldeten Schale ist Friedrichs Taufe in einem Tauffass dargestellt. Rechts vom Tauffass sind der taufende Bischof Hartwig von Regensburg (amtierte 1105-1126) und dessen Neffe Heinrich abgebildet. Heinrich wurde später Bischof von Troyes (amtierte 1145-1169), ist auf der Taufschale aber noch als junger Kleriker dargestellt. Beide, Bischof Hartwig und sein Neffe Heinrich, waren sowohl Verwandte des salischen Kaisers Heinrich V., als auch der Staufer und der Cappenberger.68

Taufschale mit Taufszene (Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum; Foto Ralf Schaltenbrand, Selm)

Auf der linken Seite findet sich eine Gruppe von drei Personen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Eltern des Täuflings (Herzog Friedrich II. von Schwaben und Judith Welf69). Im Vordergrund steht Otto von Cappenberg. Er und der Bischof halten gemeinsam den Täufling. Über Otto findet sich die Inschrift „OTTO“, über dem Täufling „FRIDERIC[US] I[M]P[ERATOR]“.

Auffällig ist die Darstellung Friedrichs auf der Taufschale. Er ist nicht als ein erst wenige Tage altes Kind abgebildet, sondern unter Berücksichtigung der Körpergröße als ein mehrere Jahre alter Junge. Wenn diese Darstellungsweise der Realität entspricht, ist nicht auszuschließen, dass Friedrichs Taufe erst nach dem Tod Gottfrieds von Cappenberg (gestorben 13. Januar 1127) erfolgte. Dies könnte erklären, warum Otto und nicht Gottfried als Taufpate gewählt wurde. Dieser Annahme widerspricht jedoch, dass Otto nicht als Kleriker dargestellt ist: ihm fehlt die Tonsur.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurde die Taufe durch dreimaliges kurzes Untertauchen vollzogen und der Täufling dann aus der Taufe gehoben. Angesichts dieses Taufvorgangs wird die sogenannte Taufschale bei der Taufe Friedrichs keine direkte Verwendung gefunden haben. Vermutlich handelt es sich um eine Schale, die der rituellen Handwaschung des Priesters während der Messfeier diente.70 Ein Hinwies darauf liefert auch die zweizeilige gereimte Inschrift, die die bildliche Darstellung umgibt:

+ CESAR ET AVGVSTVS / HEC OTTONI FRIDERICVS /

MVNERA PATRINO / CONTVLIT ILLE DEO /

+ QVEM LAVAT UNDA FORIS / HOMINIS MEMOR INTERIORIS /

VT SIS Q[U]OD N[ON] ES / ABLVE T[ER]GE Q[U]OD ES +

Übersetzung:71

Friedrich, Kaiser und Mehrer des Reiches, hat diese Geschenke

seinem Paten Otto übergeben, jener [übergab sie] Gott.

Du, den das Wasser von außen wäscht, sei des inneren Menschen eingedenk,

damit du werdest, was du nicht bist, wasche ab und reinige, was du bist.

Die Inschrift spricht ausdrücklich nicht von einem Geschenk, sondern von Geschenken; gemeint sind die Taufschale und der Barbarossakopf. Die Inschrift betont, dass Otto die Schale Gott übergab, indem er sie dem Stift Cappenberg übereignete.72

Die zweite Zeile der Inschrift beschreibt nicht die Taufhandlung, sondern fordert den Nutzer (Priester) der Schale auf, sich zu reinigen, d. h. die rituelle Handwaschung zu vollziehen.

Wann die Schale gefertigt wurde, ist nicht bekannt. Da Friedrich als „Imperator“ bezeichnet wird, ist die Inschrift erst nach der Krönung Friedrichs I. zum Kaiser 1155 eingraviert worden.

Barbarossakopf

Der von Otto dem Stift Cappenberg geschenkte „silberne“, nach dem Bild des Kaisers geformte Kopf ist der sogenannte Barbarossakopf. Das aus Bronze gegossene Haupt ist das älteste plastische Bildnis eines deutschen Kaisers im Mittelalter.73 Das Bildnis besteht aus zwei Teilen, einem architektonischen Unterbau und dem darauf ruhenden vollplastischen Barbarossakopf. Das zur Zeit Ottos versilberte Werk muss später vergoldet worden sein.

Vorderansicht des Barbarossakopfes (Stiftskirche Cappenberg; Foto Klaus Mischke, Selm)

Der Unterbau besteht aus zwei übereinander liegenden Grundplatten. Diese sind jeweils von einer niedrigen Mauer mit Zinnen umgeben. Die obere Grundplatte wurde ursprünglich von vier knienden Engeln getragen. Auf der Rückseite des Barbarossakopfes ist einer der Engel entfernt worden. Die dadurch entstandene Öffnung gibt den Blick in das Innere des Unterbaus frei. In der Mitte ist eine verzierte Laterne mit quadratischem Grundriss eingefügt. Einen Hinweis auf den Zweck der Laterne gibt die in diesem Bereich angebrachte Inschrift auf den vier Zinnen der Mauer: „OTTO“. Sie ist im Gegensatz zu den anderen auf dem Kunstwerk angebrachten Inschriften nicht nur graviert, sondern in Niello (mit einer schwarzen Masse ausgefüllte Verzierung) ausgeführt. Die Vermutung liegt nahe, dass die Laterne eine Reliquie des als Seligen verehrten Otto von Cappenberg74enthalten haben könnte, während die Inschrift als Hinweis auf diese Reliquie diente. Das Otto-Reliquiar war präsent und verborgen zugleich, es war nur von der Rückseite des Barbarossakopfes aus sichtbar.

Die obere Grundplatte ist ebenfalls von einer Mauer mit Zinnen umgeben. Auf der Mauer findet sich eine zweizeilige Inschrift. Die erste Zeile steht auf den Zinnen, die zweite auf der die Zinnen tragenden Mauer. Die gereimte Inschrift lautet:75

+ APOCALISTA DATV[M] / TIBI MV[NVS] SVS[CIPE GR]ATVM

+ ET PIVS OTTONI / SVCCVRRE PRECAN[D]O DATORI

Übersetzung:

Nimm, o Seher der Offenbarung, das dir gegebene Geschenk als willkommen an

und eile fromm durch Fürbitte dem Geber Otto zu Hilfe.

Der Kopf trägt ebenfalls eine zweizeilige gereimte Inschrift:76

HIC Q[VO]D SERVET[VR] / DE CRINE IOH[ANN]IS HABETVR

TE P[RE]CE PVLSANTES / EXAVDI S[AN]C[T]E JOH[ANN]ES

Übersetzung:

Was hier bewahrt wird, ist vom Haupthaar des Johannes.

Erhöre, heiliger Johannes, die, die dich durch Gebet bedrängen.

In der ersten Inschrift wird deutlich, dass Otto den Barbarossakopf Gott zum Geschenk gegeben hat. Gleichzeitig wird um Fürbitte für Otto gebeten. Nach der zweiten Inschrift befanden sich im Barbarossakopf Haare vom Kopf des (Apostels) Johannes als Reliquie. Johannes ist Hauptpatron der Stiftskirche. Der Barbarossakopf ist hohl und wurde bereits von Propst Otto von Cappenberg für die Deponierung weiterer Reliquien genutzt, und weitere kamen später hinzu. Die Reliquien sind dem Kopf entnommen worden und werden gesondert aufbewahrt.77

Der Barbarossakopf befindet sich in der Stiftskirche in Cappenberg. Die Taufschale gelangte in das Kunstgewerbemuseum Berlin, von ihr ist eine Kopie gefertigt worden. Die Schenkungsurkunde Ottos befindet sich im Stiftsarchiv, das auf Schloss Cappenberg deponiert ist. Der Barbarossakopf, die Kopie der Taufschale und eine Kopie der Schenkungsurkunde sind in einer Vitrine in der Stiftskirche Cappenberg ausgestellt.

Vitrine in der Stiftskirche Cappenberg mit Schenkungsurkunde, Barbarossakopf und Taufschale (Foto Sarah Gerusel, Stadtarchiv Lünen)

Kelch und Kreuz

Darüber hinaus übergab Otto dem Stift Cappenberg einen Kelch, den er von Bischof Heinrich von Troyes in Frankreich erhalten hatte,78der ebenfalls bei der Taufe des späteren Kaisers Friedrich I. zugegen gewesen war.79

Hinzu kam ein goldenes Kreuz, das Otto als „Kreuz des hl. Johannes“ bezeichnete.80 Dieses wertvolle Kreuz hatte Herzog Friedrich von Schwaben, Barbarossas Vater, Ottos Bruder Gottfried im Zusammenhang mit der Rückgabe der von ihm als Lehen besessenen Grafschaft Hildrizhausen übergeben.

Das Kreuz war dem Herzog von der mit ihm verwandten81 byzantinischen Kaiserin Irene (1088-1134) geschenkt worden und enthielt mehrere Reliquien: Blut und Haare vom Körper Jesu, ein Kreuzpartikel, ein Stück vom Rock Jesu, Reliquien der Muttergottes sowie des Apostels Johannes, Johannes des Täufers, des heiligen Augustinus und der hl. Katharina von Alexandrien.82

Der Herzog soll das Kreuz „der Siege wegen, die er auch durch dasselbe erlangte“, in allen seinen Kämpfen um den Hals getragen haben.83 Damit kann dieses Kreuz nicht übermäßig groß gewesen sein. Es war mit edlen Steinen (Gemmen) und goldenen Kettchen verziert.84 Die Cappenberger Annalen berichten über dieses Reliquienkreuz für das Jahr 1705.85 Es soll 1734 noch vorhanden gewesen sein.86

Auch wenn der Verbleib des Kreuzes nicht bekannt ist, hat sich doch möglicherweise eine bildliche Darstellung erhalten. Der Cappenberger Propst Ferdinand Mauritz Goswin von Ketteler (amtierte 1739-1784) ist auf einem Gemälde aus dem Jahr 1751 mit einem Brustkreuz (Pektorale) dargestellt.87Dieses Kreuz mit seinen leicht geschweiften Armen kann durchaus byzantinischen Ursprungs sein. Es ist mit sechs Steinen mit „unregelmäßiger“ Oberfläche besetzt. Dabei könnte es sich um Gemmen handeln. Am Fuß des Kreuzes ist eine Öse zu erkennen, an der möglicherweise goldene Ketten befestigt waren. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass Propst Ferdinand Mauritz Goswin von Ketteler das Reliquienkreuz als Brustkreuz nutze, wie es schon Herzog Friedrich II. von Schwaben getragen hatte.88

Patrozinium der Stiftskirche – St. Johannes Evangelist

Das als Reliquienbehälter genutzte Kreuz enthielt auch eine Reliquie des Apostels Johannes.89 Diesen Apostel hatte sich Otto zu seinem Patron erwählt – Motivation genug, die Feiern der Johannesfeste zu fördern.

Das Stift Cappenberg sah sich ursprünglich vor allem unter dem Schutz der Gottesmutter Maria, der Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Der Überlieferung nach soll der Ordensgründer Norbert von Xanten das weiße Ordensgewand von der hl. Jungfrau empfangen haben.90 Das Stift und der Grundstein für die Kirche waren am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August 1122) geweiht worden.

Weitere Patrone des Stifts Cappenberg waren Petrus und Paulus. Das Patrozinium der Apostelfürsten Petrus und Paulus könnte auf die an der Umwandlung der Burg in ein Stift beteiligten Bischöfe zurückgeführt werden; es waren dies der Erzbischof von Köln und der Bischof von Münster: Petrus ist Patron des Erzbistums Köln, Paulus der des Bistums Münster. Darüber hinaus profitierten beide Bistümer auch wirtschaftlich (Privateigentum)91 und militärisch (105 Ministerialen) von Gottfrieds Verfügungen über sein Vermögen.

Nach altkirchlicher Überlieferung ist der Apostel Johannes mit dem Verfasser des Johannes-Evangeliums identisch. So wird am 27. Dezember das Fest „Johannes Apostel und Evangelist“ begangen. Heute haben Kirche und Pfarrei zu Cappenberg den hl. Johannes Evangelist zum Patron. Das Johannes-Patrozinium ist letztlich Otto von Cappenberg zu verdanken, auch wenn Otto ausdrücklich den Johannes Apostel zu seinem Patron erwählt hatte.

Ottos Tätigkeit für den Prämonstratenserorden, insbesondere in seiner Zeit als Propst zu Cappenberg, hatte für das Stift Cappenberg somit nachhaltige Wirkung.

Für Otto dienten der Barbarossakopf, die Taufschale, das Kreuz und der Kelch lediglich der repräsentativen Ausstattung der Johannes-Feste. Eine Kopie der Stiftungsurkunde sowie der Barbarossakopf und die Kopie der Taufschale sind in der Stiftskirche gemeinsam ausgestellt. Dadurch tritt die in der Urkunde bezeugte Übergabe des Barbarossakopfes und der Taufschale an das Stift in den Vordergrund. Das mit der Urkunde dokumentierte Hauptanliegen Ottos – die Stiftung der Johannes-Feste – findet dagegen kaum noch Beachtung.

Das als Reliquienbehälter genutzte Kreuz enthielt auch eine Reliquie des Apostels Johannes.89Diesen Apostel hatte sich Otto zu seinem Patron erwählt – Motivation genug, die Feiern der Johannesfeste zu fördern.

Das Stift Cappenberg sah sich ursprünglich vor allem unter dem Schutz der Gottesmutter Maria, der Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Der Überlieferung nach soll der Ordensgründer Norbert von Xanten das weiße Ordensgewand von der hl. Jungfrau empfangen haben.90Das Stift und der Grundstein für die Kirche waren am Fest Mariä Himmelfahrt (15. August 1122) geweiht worden.

Weitere Patrone des Stifts Cappenberg waren Petrus und Paulus. Das Patrozinium der Apostelfürsten Petrus und Paulus könnte auf die an der Umwandlung der Burg in ein Stift beteiligten Bischöfe zurückgeführt werden; es waren dies der Erzbischof von Köln und der Bischof von Münster: Petrus ist Patron des Erzbistums Köln, Paulus der des Bistums Münster. Darüber hinaus profitierten beide Bistümer auch wirtschaftlich (Privateigentum)91und militärisch (105 Ministerialen) von Gottfrieds Verfügungen über sein Vermögen.

Nach altkirchlicher Überlieferung ist der Apostel Johannes mit dem Verfasser des Johannes-Evangeliums identisch. So wird am 27. Dezember das Fest „Johannes Apostel und Evangelist“ begangen. Heute haben Kirche und Pfarrei zu Cappenberg den hl. Johannes Evangelist zum Patron. Das Johannes-Patrozinium ist letztlich Otto von Cappenberg zu verdanken, auch wenn Otto ausdrücklich den Johannes Apostel zu seinem Patron erwählt hatte.

Ottos Tätigkeit für den Prämonstratenserorden, insbesondere in seiner Zeit als Propst zu Cappenberg, hatte für das Stift Cappenberg somit nachhaltige Wirkung.

Für Otto dienten der Barbarossakopf, die Taufschale, das Kreuz und der Kelch lediglich der repräsentativen Ausstattung der Johannes-Feste. Eine Kopie der Stiftungsurkunde sowie der Barbarossakopf und die Kopie der Taufschale sind in der Stiftskirche gemeinsam ausgestellt. Dadurch tritt die in der Urkunde bezeugte Übergabe des Barbarossakopfes und der Taufschale an das Stift in den Vordergrund. Das mit der Urkunde dokumentierte Hauptanliegen Ottos – die Stiftung der Johannes-Feste – findet dagegen kaum noch Beachtung.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Der Beitrag basiert auf den Ausführungen der Publikation von Fredy Niklowitz, Wilfried Heß, Dr. Widar Lehnemann: Hundertundeine Erzählung. Sagen, Legenden und Geschichten aus dem Raum Lünen. Lünen 2016, herausgegeben von der Stadt Lünen, Stadtarchiv, ISBN 978-3-00-053223-8. – Den Text stellte der Autor Fredy Niklowitz, Stadtarchivar zu Lünen und Mitglied der Arbeitsgruppe Kaiser Barbarossa des Rotary Club Selm – Kaiser Barbarossa, in Absprache mit den anderen Autoren zur Verfügung.

1) Dr. [Gustav] Hertel: Leben des heiligen Norbert Erzbischofs von Magdeburg. Nebst der Lebensbeschreibung des Grafen Gottfried von Kappenberg. Leipzig 1881, S. 49.

2)Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49; s. a. Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 142.

3) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 122.

4) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 133.

5) Dr. Heinrich August Erhard (Bearb. u. Hrsg.): Regesta Historiae Westfaliae accedit Codex Diplomaticus. Die Quellen der Geschichte Westfalens. Erster Band. Münster 1847. Neudruck Osnabrück 1972 (= WUB I), Regest 1437 und Codex 186.

6) Georg Waitz: Chronica Regia Coloniensis. Hannover 1880, S. 60.

7) WUB I, Regest 1457; Manfred Balzer: Die Stadtwerdung – Entwicklungen und Wandlungen vom 9. bis 12. Jahrhundert. In: Geschichte der Stadt Münster. Hrsg. von Franz-Josef Jakobi. Band 1. Münster 1993, S. 53-89, hier S. 85.

8) W. Pflüger: Die Chronik des Ekkehard von Aura. Nach der Ausgabe der Monumenta Germaniae. Leipzig 1893, S. 143.

9) WUB I, Regest 1457; Pflüger: Die Chronik des Ekkehard von Aura (1893), S. 143.

10) Paul Scheffer-Boichorst: Annales Patherbrunnenses. Eine verlorene Quellenschrift des zwölften Jahrhunderts aus Bruchstücken wiederhergestellt. Insbruck 1870, S. 139, 194 f; WUB I, Regest 1457 hat 7. Mai 1121 (Verwechslung mit dem Brand von 1197).

11) Pflüger: Die Chronik des Ekkehard von Aura (1893), S. 143 f; WUB I, Regest 1458; Ludwig Weiland: Sächsische Weltchronik. In: Deutsche Chroniken und andere Geschichtsbücher des Mittelalters. Hrsg. von der Gesellschaft für ältere Deutsche Geschichtskunde, 2. Band. Hannover 1877, S. 1-279, hier S. 193 f, Kapitel 226.

12) Julius Ficker (Hrsg.): Die Münsterischen Chroniken des Mittelalters. Münster 1851, Band 1, S. 108.

13) Siehe Caroline Horch: „Nach dem Bild des Kaisers“. Funktionen und Bedeutung des Cappenberger Barbarossakopfes. Köln/Weimar/Wien 2013, S. 61.

14) 300 Jahre später ging Nikolaus von der Flüe einen sehr ähnlichen Weg (s. Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen. Bearb. v. Josef Gelmi. Innsbruck/Wien 1988, S. 604 f; Erna Melchers, Hans Melchers: Das grosse Buch der Heiligen. Geschichte und Legende im Jahreslauf. Bearb. von Carlo Melchers. 7. Auflage. München 1984, S. 611-614).

15) WUB I, Regest 1461; s. a. Pflüger: Die Chronik des Ekkehard von Aura (1893), S. 146 f.

16) [Max Heinrich] Geisberg: Das Leben des Grafen Godfried von Kappenberg und seine Klosterstiftung. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde [= Westfälische Zeitschrift]. Band 12, 1851, S. 309-373, hier S. 320; Andreas Leistikow: Die Geschichte der Grafen von Cappenberg und ihrer Stiftsgründungen – Cappenberg, Varlar und Ilbenstadt. Hamburg 2000, S. 47; zu den Geiseln s. Wolfgang Bockhorst, Fredy Niklowitz (Bearb.): Urkundenbuch der Stadt Lünen bis 1341. Hrsg. von der Stadt Lünen. Lünen 1991, Nr. 2.

17) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 30-33; Augustin Hüsing: Der hl. Gottfried, Graf von Cappenberg, Prämonstratenser-Mönch, und das Kloster Cappenberg. Münster 1882, S. 17; Herbert Grundmann: Der Cappenberger Barbarossakopf und die Anfänge des Stiftes Cappenberg. Köln/Graz 1959, S. 22.

18) Zur Begegnung zwischen Gottfried von Cappenberg und Norbert von Xanten s. Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49.

19) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49 f; zu Otto und Jutta sowie zu Friedrich von Arnsberg s. a. Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 124, 129 f, 136 ff.

20) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49.

21) WUB I, Regest 1437 und Codex 186.

22) J[aques]-P[aul] Migne: Patrologiae cursus completus seu bibliotheca universalis, integra, uniformis, commoda, oeconomica, omnium ss. patrum, doctorum scriptorumque ecclesiasticorum […]. Tomus CLXVI. Paris 1894, Nr. 37, Sp. 1249 ff.

23) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 159, Anm. 1.

24) Niklowitz, Heß, Lehnemann: Hundert und eine Erzählung (2016), S. 504.

25) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 159 und Anm. 1.

26) Horch: „Nach dem Bild des Kaisers“ (2013), S. 64.

27) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49 f.

28) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 50.

29) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 124.

30) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 131.

31) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 147.

32) Michael Gosmann: Die Grafen von Arnsberg und ihre Grafschaft: Auf dem Weg zur Landesherrschaft (1180-1371). In: Das Herzogtum Westfalen. Hrsg. von Harm Klueting. Band 1: Das kurkölnische Herzogtum Westfalen von den Anfängen der kölnischen Herrschaft im südlichen Westfalen bis zur Säkularisation 1803. Münster 2009, S. 172-202, hier S. 171.

33) Wilhelm Crecelius: Friedrich der Streitbare. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Band 7 (1878). S. 456-457, hier S. 456 [Internet: www.deutsche-biographie.de/pnd137509782.html?anchor=adb).

34) Grundmann: Der Cappenberger Barbarossakopf und die Anfänge des Stiftes Cappenberg (1959), S. 24; Manfred Gerwing: Cappenberg unter Tage. Zur Bedeutung Cappenbergs im Mittelalter. Köln 1990, S. 52; Wolfgang Bockhorst: Die Grafen von Cappenberg und die Anfänge des Stifts Cappenberg. In: Studien zum Prämonstratenserorden. Hrsg. von Irene Crusius und Helmut Flachenecker. Göttingen 2003, S. 57-74, hier S. 70.

35) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 129 f, 143 f.

36) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 130; s. a. Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 50 f.

37) Vgl. Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 124.

38) Gosmann: Die Grafen von Arnsberg und ihre Grafschaft (2009), S. 171.

39) Dr. Heinrich August Erhard (Bearb. u. Hrsg.): Regesta Historiae Westfaliae accedit Codex Diplomaticus. Die Quellen der Geschichte Westfalens. Zweiter Band. Vom Jahre 1126 bis 1200. Münster 1851. Neudruck Osnabrück 1972 (= WUB II), Regest 1498-1499 und Codex 199-200; Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen bis 1341, Nr. 4.

40) Vgl. Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 143.

41) Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen (1991), Nr. 1.

42) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 132.

43) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49.

44) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 145 f.

45) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 133 f.

46) Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen (1991), Nr. 28.

47) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 146 f, s. a. S. 132.

48) Zur Begegnung zwischen Gottfried von Cappenberg und Norbert von Xanten Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 49.

49) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 149.

50) I[ngrid] Ehlers-Kisseler: Zum Patrozinium des Stiftes Cappenberg. In: Analecta Praemonstratensia. Tomus LXXVII. 1-4, Averbode 2001, S. 1-24 (Separatum), hier S. 10.

51) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 151-154.

52) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 133 f.

53) Ingrid Ehlers-Kisseler: Gottfried von Cappenberg und seine Stiftsgründungen. In: Gottfried von Cappenberg. Zum 875. Todestag (13.01.1127), S. 10-36 (Communicantes. Schriftenreihe zur Spiritualität des Prämonstratenserordens. Heft 17, 2001), hier S. 32.

54) Friedrich Wilhelm Bautz (Hrsg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band II. Hamm 1990, Sp. 272 f; zur Verehrung Gottfrieds von Cappenberg. s. Wolfgang Bockhorst: Das Kloster Cappenberg. Patrozinien – Heiligenfeste – Reliquien – Wallfahrten. In: Jahrbuch des Kreises Unna. Band 25 (2004), S. 105-113, hier S. 108 ff.

55) WUB I, Regest 1437 und Codex 186.

56) Zum 26. Januars. Gerlinde Niemeyer: Die Vitae Godefridi Cappenbergensis. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters namens der Monumenta Germaniae Historica. 23. Jahrgang. Köln/Graz 1967, S. 456; Leistikow: Die Geschichte der Grafen von Cappenberg und ihrer Stiftsgründungen (2000), S. 79 f; zum 23. Februars. Wimmer, Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen (1988), S. 629 f.

57) Hüsing: Der hl. Gottfried (1882), S. 64 f.

58) Wimmer, Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen (1988), S. 629 f.

59) Manegold wurde in der zum Kloster Ilbenstadt gehörenden Pfarrkirche St. Georg beigesetzt (s. Ehlers-Kisseler: Zum Patrozinium des Stiftes Cappenberg (2001), S. 10).

60) Hertel: Leben des heiligen Norbert (1881), S. 134 f, auch Anm. 29; Niemeyer: Die Vitae Godefridi Cappenbergensis (1967), S. 453; Leistikow: Die Geschichte der Grafen von Cappenberg (2000), S. 408 f; s. a. die Reimfassung bei Anonymus: H[eiliger] Godefridi Comitis Canonich zu Cappenb[erg]. In: Historia von Leben, Thaten und Sterben etzlicher außerwölten Lieben H[eiligen] Gottes des H[eiligen] Premonstratenser Ordens […]. Verlegt von Conr[adus] Butgenius. Köln 1609, 7. Kapitel.

61) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 156 ff.

62) Zur Geburt Friedrichs s. Knut Görich: Friedrich Barbarossa: Eine Biographie. München 2011, S. 28; zur Taufe s. Gerd Dethlefs: Neue Deutungen zum Cappenberger Barbarossakopf. Das Reliquienkreuz des Grafen Otto von Cappenberg wiederentdeckt. In: Jahrbuch Westfalen 2016. Westfälischer Heimatkalender – Neue Folge, 70. Jg., Münster 2015, S. 15 f.

63) 1161 und 1187 (s. Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen bis 1341 (1991), Nr. 9; WUB II, Codex 472).

64) 1187 (s. WUB II, Codex 472); Inschrift Taufschale.

65) Ottos Vorgänger, der Propst Otto magister, war am 30.03.1156 verstorben (s. Stephan Schnieder: Cappenberg. Münster 1949, S. 63; Johannes Stadtmann: Synopticus Elenchus. Hoc est brevis catalogus praepositorum Capenbergensium, una cum inserta variarum historiarum enarratione. 1622, Bl. 57 r).

66) Johann Friedrich Böhmer: Regesta Imperii. IV. Band: Ältere Staufer. Zweite Abteilung: Die Regesten des Kaiserreiches unter Friedrich I. 1. Lieferung: 1152-1158. Neu bearb. von Ferdinand Opll. Wien, Köln, Graz 1980, Nr. 392.

67) Text der Augustinus-Regel, 1. Kapitel Ziffer 3 und 5. Kapitel, Ziffer 1, 3 im Internet www.kloster-roggenburg.eu, Stand 16.07.2014.

68) Dethlefs: Neue Deutungen zum Cappenberger Barbarossakopf (2016), S. 13.

69) Knut Görich: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, S. 46 f.

70) Vgl. Görich: Friedrich Barbarossa (2011), S. 30.

71) Horst Appuhn: Beobachtungen und Versuche zum Bildnis Kaiser Friedrichs I. Barbarossa in Cappenberg. In: Aachener Kunstblätter. Bd. 44 (1973), S. 129-192, hier S. 132.

72) Appuhn: Beobachtungen und Versuche zum Bildnis Kaiser Friedrichs I. Barbarossa in Cappenberg, S. 132.

73) Horst Appuhn: Stiftskirche St. Johannes in Cappenberg. 3. Auflage. München/Berlin 1984, S. 16.

74) Wimmer, Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen (1988), S. 631.

75) Horch: „Nach dem Bild des Kaisers“ (2013), S. 38.

76) Horch: „Nach dem Bild des Kaisers“ (2013), S. 38.

77) Siehe Horch: „Nach dem Bild des Kaisers“ (2013), Abb. 4.

78) Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen (1991), Nr. 10.

79) Dethlefs: Neue Deutungen zum Cappenberger Barbarossakopf (2016), S. 13.

80) Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen (1991), Nr. 10.

81) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 157 sowie Anm. 3 und 4; Niklowitz, Heß, Lehnemann: Hundertundeine Erzählung, S. 543, Anm. *.

82) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 157 f.

83) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 158.

84) Bockhorst, Niklowitz: Urkundenbuch der Stadt Lünen (1991), Nr. 10.

85) Horch: „Nach dem Bild des Kaisers“ (2013), S. 84.

86) Dethlefs: Neue Deutungen zum Cappenberger Barbarossakopf (2016), S. 15.

87) Dethlefs: Neue Deutungen zum Cappenberger Barbarossakopf (2016), S. 15.

88) Gerd Dethlefs: Der Cappenberger Barbarossakopf und sein Reliquienkreuz. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, des LWL-Amtes für Denkmalpflege in Westfalen und des LWL-Museums für Archäologie. Münster. 93. Band (2015), S. 37-46, hier S. 42.

89) Zu den weiteren Reliquien vgl. die voneinander abweichenden Aussagen von Appuhn: Bildnis Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (1973), S. 154; Ehlers-Kisseler: Zum Patrozinium des Stiftes Cappenberg (2001), S. 14; Dethlefs: Neue Deutungen zum Cappenberger Barbarossakopf (2016), S. 14.

90) Bockhorst: Das Kloster Csappenberg (2004), S. 105.

91) Hertel: Gottfried von Kappenberg (1881), S. 133.

Urkunden

Ausgewählte Urkunden zum Stift Cappenberg zusammengestellt von Fredy Niklowitz

1122/1125

Ausgewählte Urkunden zum Stift Cappenberg

 

zusammengestellt von Fredy Niklowitz

 

 

 

Regest und Abschrift: Bockhorst / Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen

Übersetzung: Dr. Wolfgang Bockhorst

 

 

1122/1125

Dietrich [von Winzenburg], Bischof von Münster, bekundet, dass Graf Gottfried [von Cappenberg] und sein Bruder Otto sich und ihre Habe Gott, der hl. Jungfrau Maria, dem Kreis der Apostel und allen Heiligen übertragen haben. Dazu gehören die Burg Cappenberg – die sie nach Allodialrecht besaßen – mit den Alloden, Höfen und Hufen Werne, Nette[berge], Alstedde, Heil und Cappenberg. Gottfried und Otto haben diese Güter dem Bruder Norbert [von Xanten] für die Brüder übergeben, die künftig dort [in Cappenberg] Gott nach der Regel des hl. Augustinus unter der Aufsicht des genannten Norbert dienen werden.

Bischof Dietrich hat auf Bitten des Erzbischofs von Köln, [Friedrich von Schwarzenburg], der Brüder Otto und Gottfried [von Cappenberg] und des Kollegiums der dort lebenden Kanoniker am 15. August die Burg durch eine feierliche Weihe in eine Immunität und einen Kirchenbezirk umgewandelt, in ihr das Fundament einer Kirche aufwerfen lassen und dieser Kirche die genannten Güter zur ewigen Ausstattung zugewiesen.

Nach einer gewissen Zeit und nachdem das Kollegium der Brüder gewachsen war, haben die bis dahin dem Kriegerstand angehörigen Brüder Gottfried und Otto [von Cappenberg] der Cappenberger Kirche und den dort lebenden Dienern und Dienerinnen Gottes gerichtlich von ihren erblich besessenen Eigengütern die Güter Mengede, Coerde, Saerbeck, Wesel und Wessum mit allem Zubehör übertragen, ihre Schenkungen in der [Bistums-] Synode [zu Münster] erneuert und vom Bischof von Münster die Bestätigung unter seinem Bann verlangt. Der Bischof von Münster bestätigt die Schenkungen und belegt alle, die versuchen sollten, der Cappenberger Kirche etwas von den genannten Gütern wegzunehmen, mit dem Kirchenbann. Der Bischof von Münster siegelt.

Actum 1122, confirmatum 1125.

Zeugen der Übertragung sind Graf Adolf [I.] von Altena, Wigbold, Bruno tribunus, Werner Emunt, Franco, Lambertus, Reginbolt, Bertholf. Zeugen der Synode sind Dompropst Bruno, Domdechant Rutbert, Domküster Engelbert, Domscholaster (magister) Gerhard, die Domherren Helmward, Guntram und Folcmar, [letzterer Propst ?] von St. Mauritz; die Edelherren Rudolph Wern und sein Bruder Bernhard, Bernhard und Hermann; die Ministerialen Walter, Thietmar und Bruno.

Weiter bestätigt der Bischof von Münster der Kirche zu Cappenberg den Besitz an dem Eigengut Speldorf, das der Edelherr Emund ihr bei seinem Eintritt in das Kollegium übertragen hat, und an den Hufen Hassel und Laudare, die Lambert und Sveter, Ministeriale der Kirche zu Münster, ihr von ihren Eigengütern übergeben haben.

 

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Wir, Dietrich von Gottes Gnaden Bischof von Münster, wollen, dass allen gegenwärtigen wie künftigen Christgläubigen bekannt sei, dass Graf Gottfried und sein Bruder Otto zum Heil ihrer Seelen sich und ihre Habe Gott und der hl. Jungfrau Maria und dem Kreis der Apostel und allen Heiligen übertragen haben, nämlich die Burg Cappenberg, die sie nach Eigentumsrecht besaßen, mit den anderen Eigengütern, Höfen und Hufen Werne, Nette, Alstedde, Heil und Cappenberg mit allen ihren Nutzungen, nämlich Wiesen und Weiden, Wegen und unwegsamen Gegenden, Bächen und Gräben, Mühlen, Wäldern und Feldern, indem sie diese Güter in die Hände des Bruders Norbert übergeben haben zu Nutzen und Notdurft der gegenwärtigen und künftigen Brüder, die dort (in Cappenberg) Gott dienen nach den apostolischen Vorschriften und nach der Regel des hl. Augustinus unter der Aufsicht und Leitung des genannten Bruders Norbert. Ich aber, der erwähnte Bischof Dietrich von Münster, habe, gebeten vom Kölner Erzbischof und von den erwähnten Brüdern Otto und Gottfried und dem gesamten Kollegium der dort lebenden Kanoniker, am 15. August, also am Tag der Himmelfahrt der hl. ewig jungfräulichen Gottesmutter Maria, durch ein Pontifikalamt mit Beistand des hl. Geistes die Burg und den Umkreis dieser Burg durch eine feierliche Weihe verändert und gewandelt, damit sie von nun an eine Immunität und gefriedeter Bezirk wäre, sei und bleibe, habe in ihr das Fundament einer Kirche aufwerfen lassen und diesem Kloster die genannten Eigengüter als dauerhafte Ausstattung zugewiesen.

Später aber, nachdem ein kurzer Zeitraum verstrichen war und das Kollegium der Brüder dort angewachsen war, haben die genannten Brüder Gottfried und Otto, die bis dahin im Kriegerstand verblieben waren, von den Eigengütern, die sie damals nach Erbrecht besessen haben, Mengede, Coerde, Saerbeck, Wessel und Wissum mit den Höfen und Hofesleuten, Wegen und unwegsamen Gegenden, Wiesen und Weiden, Wäldern und Feldern und mit allen Nutzungen und ihren Zubehörungen und ihren Rechten dem genannten Kloster Cappenberg und den dort eingesetzten Dienern und Mägden Gottes vor den Richtern in dazu abgehaltenen Gerichtsverhandlungen zu ewigem Nutzen übergeben und überlassen und sie haben ihre Schenkungen und Stiftungen in unserer Synode erneuert und gebeten, sie durch unseren Bann zu bekräftigen.

Dasjenige aber, was Gott übertragen ist, soll nach dem Zeugnis der heiligen Gesetze heilig (unantastbar) genannt werden, weshalb diejenigen, die wagen, dieses Gott zu rauben und zu ihrem eigenen Nutzen zu behalten, eines Sakrilegs überführt und ewiger Verdammnis schuldig sein werden. Wir haben deshalb jeden, der sich in unüberlegtem Wagemut vermessen sollte, Gott und den Brüdern die schon genannte Kirche und die Höfe oder irgendetwas von den genannten Besitzungen zu rauben, gemeinsam mit unseren Brüdern unserer Kirche, den Prälaten und Priestern, in Gegenwart der Edelherren und der Kirchendiener mit der Fessel des Kirchenbanns bedroht, bis er es wieder aufgibt. Damit aber dieses sowohl von den Künftigen wie den Gegenwärtigen rechtskräftig gehalten werde und sie anerkennen mögen, dass dies in legitimer Weise geschehen und bestätigt sei, haben wir es durch unser Siegel bezeugt und, auf dass es ewig unveränderlich bleiben möge, haben wir es mit der Androhung unseres Bannes in der Kraft des hl. Geistes bekräftigt.

Geschehen ist es aber im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1122, bestätigt aber im Jahr derselben Fleischwerdung 1125.

Zeugen der ersten Schenkung waren Adolf Graf zu Altena, Wigbold, der Tribun Bruno, Werner Emunt, Franco, Lambert, Reginbold, Bertolf, bei der Bestätigung aber, die in der Synode geschehen ist, waren Zeugen der Propst Bruno, der Dechant Rutbert, der Küster Engelbert, Magister Gerhard, Helmward, Guntram, Volkmar von St. Mauritz und alle Kanoniker und Priester, die damals bei der heiligen Synode anwesend waren, dann die Edelherren Rudolf und sein Bruder Bernhard Wern, Bernhard, Hermann; dann die Ministerialen Walter, Thietmar, Bruno.

Außerdem haben wir ihnen das Eigengut Speldorf bestätigt, das ein gewisser Edelherr Emund dieser Kirche bei seiner Bekehrung übergeben hat, aber auch den Hof Hassel und den Hof Laudare, welche Lambert und Sveter, Ministeriale unserer Kirche, der genannten Kirche aus ihren Eigengütern übertragen haben.

Den Bewahrern und Verteidigern dieser Urkunde und des geschehenen Werkes (sei) Frieden von Gottvater und Nachlass für die Sünder, seine Verletzer aber und Betrüger sollen im Bann sein.

In nomine sancte et individue Trinitatis. Theodericus Monasteriensis ecclesie Dei gratia episcopus notum fieri volumus tam presentibus quam futuris Christi fidelibus, quod comes Godefridus et Otto frater eius pro salute animarum suarum obtulerunt se et quedam sua Deo et beate Marie semper virgini et beatorum apostolorum choro omnibusque sanctis, videlicet castrum Capenberg, quod iure allodii possidebant, cum aliis allodiis, curiis et mansis Werne, Nette, Alsteden, Heile, Capenberg cum universis usibus earum, scilicet pratis et pascuis, viis et inviis, rivis et irriguis, molendinis, nemorosis et campestribus, tradentes hec in manus fratris Norberti ad usum et necessitatem fratrum tam presentium quam futurorum ibidem Deo servientium secundum apostolica instituta et secundum regulam beati Augustini sub disciplina et magisterio prenominati fratris Norberti.

Ego vero Theodericus supradictus Monasteriensis episcopus, rogatus a Coloniensi archiepiscopo et a supranominatis fratribus Ottone et Godefrido et ab universo canonicorum ibidem degentium collegio, XVIIIokalendis Septembris, in die scilicet Assumptionis sancte Dei genitricis semper virginis Marie, per pontificale officium, habentes cooperatorem spiritum sanctum, castrum et eiusdem castri ambitum solempni consecratione vertimus et immutavimus, ut exinde esset, sit atque permaneat immunitas atque cimiterium, iacientes in eodem ecclesie fundamentum, assignantes eidem ecclesie predicta allodia in dotem perpetuam.

Post hec autem, brevis elapso temporis intervallo et aucto fratrum ibidem collegio, Godefridus et Otto supradicti germani, adhuc in habitu positi militari, de allodiis, que tunc hereditario iure possederunt, Mencgede, Curede, Sorbeke, Wisele, Wesheim cum mansis et mansionariis, viis et inviis, pratis et pascuis, nemorosis et campestribus et cum universis usibus et appendiciis suis et iustitiis earum, supradicte ecclesie Capenberg servisque et ancillis Dei ibidem constitutis, coram tribunis in statutis placitis, in usus perpetuos contradiderunt et transfuderunt, suasque dationes et oblationes in synodo nostra renovaverunt et banno nostro sibi firmari postulaverunt. Ea autem, que Deo oblata sunt, sacrarum attestatione canonum sacra esse perhibentur, unde qui ea Deo auferre et ad suum usum retinere presumunt, sacrilegii et eterne dampnationis rei esse convincuntur. Eapropter quicumque temerario ausu Deo et fratribus iam dictam ecclesiam et curtes vel aliquid de supradictis possessionibus auferre presumpserit, cum fratribus nostris ecclesie nostre, prelatis et sacerdotibus, in presentia nobilium et ecclesie ministrorum, vinculo anathematis, usque quo resipiscat, innodavimus.

Ut autem hec tam a futuris quam a presentibus rata habeantur, et hoc ordine legitime gesta et firmata esse credantur, bulla nostra assignavimus, et ut perpetuo inconvulsa permaneant, vinculo banni nostri in virtute spiritus sancti firmavimus. Actum vero est anno incarnationis Domini MoCoXXIIo, confirmatum vero anno eiusdem incarnationis MoCoXXVo.

Testes prime traditionis Adolphus comes de Altena, Wigboldus, Bruno tribunus, Wernere Emunt, Franco, Lambertus, Reginbolt, Bertholf; confirmationis vero, que facta est in synodo, testes Bruno prepositus, Rutbertus decanus, Engelbertus custos, Gerardus magister, Helmwardus, Guntramus, Folcmarus de sancto Mauritio et omnes canonici et sacerdotes, qui sacre synodo tunc interfuerunt, nobiles vero Rudolphus et frater eius Bernhardus Wern, Bernart, Hereman; ministeriales vero Walterus, Thietmarus, Bruno.

Preterea firmavimus eis allodium Spelthorpe, quod nobilis quidam Emundus in sua conversione eidem ecclesie tradidit, sed et mansum Hasla et mansum Laudare, quos de allodiis suis ministeriales nostre ecclesie, Lambertus et Sveter, supradicte ecclesie contulerunt. Conservatoribus et defensoribus huius pagine et rei geste pax a Deo patre et peccatorum indulgentia, violatores vero et defraudatores eius sint anathema.

Abschrift: Stiftsarchiv Cappenberg, Kopiar A I b 1, Bl. 13v-15r (15. Jh.); Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen (Münster), Manuskripte VII, Nr. 1236, Bl. 3r-4r

Druck: WUB, Bd. 1, Nr. 190; Niesert, Münsterische Urkundensammlung, Bd. 2, Nr. 22; Grundmann, Der Cappenberger Barbarossakopf, S. 108-110; Bockhorst/Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen, Nr. 1

1123

Regest und Abschrift: Bockhorst / Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen

Übersetzung: Dr. Wolfgang Bockhorst

1123 (richtig 1122 September)1), Lobwiesen

Kaiser Heinrich V. bekundet, dass Graf Gottfried [von Cappenberg] und sein Bruder Otto die ihnen nach Eigenrecht gehörige Burg Cappenberg mit den vier benachbarten Höfen Nette[berge], Werne, Heil und Alstedde Gottvater, der Gottesmutter Maria, den Aposteln Petrus und Paulus und allen Heiligen zum Heil ihrer Seelen überlassen haben, indem sie dieses Gut dem Bruder Norbert [von Xanten] und den ihm untergegebenen Brüdern, die dort als Kanoniker leben, übertragen haben. Der Kaiser bestätigt diese Übertragung und bestimmt auf Bitten der Brüder, dass kein Bischof oder Prälat dieser Kirche die angenommene Regel [des hl. Augustinus], Profess und Ordenszugehörigkeit [zu den Prämonstratensern] ändern oder lockern darf. Der Konvent erhält das Recht, den Vogt frei zu wählen und ihn – falls notwendig – abzusetzen und einen anderen zu wählen. Der Kaiser verzeiht Gottfried [von Cappenberg] und Otto auf Fürsprache des genannten Priesters [Norbert von Xanten] ein Majestätsverbrechen2), lässt die von ihnen gestellten Geiseln frei und verzichtet auf jede weitere Forderung.

Zeugen sind Adalbert [von Saarbrücken], Erzbischof von Mainz, Friedrich [von Schwarzenburg], Erzbischof von Köln, Hartwig [von Spanheim], Bischof von Regensburg, Otto [von Mistelbach], Bischof von Bamberg, Bruno [von Saarbrücken], Bischof von Speyer, Hermann [von Vohburg], Bischof von Augsburg, Gebhard [von Henneberg], Bischof von Würzburg; Herzog Heinrich [der Schwarze] von Bayern, Herzog Friedrich [von Schwaben], Herzog Simon [von Lothringen], Herzog Berthold [von Zähringen] und sein Bruder Konrad, Markgraf Leopold [von Österreich], Markgraf Engelbert [von Istrien] und Graf Berengar [von Sangerhausen].

Außerdem bestätigt der Kaiser der Cappenberger Kirche dessen gesamten Besitz, besonders Mengede, Coerde, Saerbeck, Wesel und Wessum. Sollte jemand gegen die Bestimmungen dieser Urkunde verstoßen, soll ihn der Unwillen des Kaisers treffen.

Der Kaiser siegelt.

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich durch göttliche wohlgefällige Nachsicht vierter erhabener Kaiser der Römer. Wir wollen, dass sowohl gegenwärtigen wie auch künftigen Christgläubigen bekannt sei, dass Graf Gottfried und sein Bruder Otto die Burg Cappenberg, die sie nach Eigentumsrecht besaßen, mit den umliegenden vier Höfen Nette, Werne, Heil und Alstedde dem allmächtigen Gottvater und der hl. Gottesmutter Maria und den heiligsten Aposteln Petrus und Paulus sowie allen Heiligen in der Hoffnung auf das künftige Seelenheil übertragen haben, indem sie dies dem ehrwürdigen Bruder Norbert und seinen ihm unterstellten Brüdern und ihren Nachfolgern übergeben haben, die dort im kanonischen Gelübde nach apostolischen Vorschriften leben. Wir haben denselben Brüdern, die um kaiserlichen Schutz ersuchen, bestätigt, dass diese Schenkung rechtmäßig und unverletzlich bleiben soll. Wir haben auch beschlossen und bekräftigen auf Bitte dieser Brüder, dass kein Bischof oder künftiger Prälat ihres Klosters die Macht haben soll, die Regel, das Gelübde und die übernommene Einrichtung zu verändern oder durch Begünstigung einer lockereren Freiheit zu verderben. Es soll dort kein Vogt sein, wenn ihn nicht die Brüder einmütig erwählen sollten. Sollte dieser sich unbequem oder unnütz verhalten, sollen sie (die Brüder), wenn er sich, einmal, zweimal oder dreimal gemahnt, nicht gebessert haben sollte, die freie Möglichkeit haben, einen anderen zu erwählen. Wir wollen, dass die Gläubigen Gottes auch dies wissen, dass wir diesem Gottfried und seinem Bruder zur Erleichterung meines Gewissens auf Fürsprache des erwähnten Priesters für sie die königliche Beleidigung von Herzen verzeihen, ihre Geiseln entlassen haben und auf alle Ansprüche, die wir wegen der Sache oder der Strafe an sie gehabt haben oder haben könnten, auf ewig verzichtet haben.

Zu dieser unserer Handlung (eigentlich: Übergabe) aber haben wir als geeignete Zeugen hinzugezogen: den Mainzer Erzbischof Adalbert, den Kölner Erzbischof Friedrich, den Regensburger Bischof Hartwig, den Bamberger Bischof Otto, den Speyerer Bischof Bruno, den Augsburger Bischof Hermann, den Würzburger Bischof Gebhard; auch die weiteren Fürsten: Heinrich Herzog der Bayern, Herzog Friedrich, Herzog Simon, Herzog Bertolf und seinen Bruder Konrad, Markgraf Diepold, Markgraf Engelbert, Graf Berengar. Damit aber die Kraft dieser unserer Handlung (eigentlich: Übergabe) für alle Zeit sicher und unverletzlich bleiben möge, haben wir befohlen, diese Urkunde zu schreiben und mit dem Eindruck unseres Siegels kenntlich zu machen.

Außerdem alle Besitzungen, alle Güter, die das genannte Cappenberger Kloster an Ländereien, Weinbergen, Hörigen, Abgaben, Zehnten, Mühlen, Gewässern oder Wasserläufen, Wiesen, Weiden, Wäldern, Feldern, Bergen, Hügeln, Tälern oder allen anderen beliebigen Sachen gegenwärtig besitzt oder künftig durch Erlaubnis der Päpste, durch die Großmut der Könige oder Fürsten, durch Schenkung der Gläubigen oder in anderer rechtmäßiger Weise erwerben kann, alles bestätigen wir ihr durch kaiserliche Machtvollkommenheit.

Von solchen haben wir diese mit ihren eigenen Namen nennen lassen: Mengede, Coerde, Saerbeck, Wesel und Wessum mit den Höfen und Hofesleuten und allen ihren Nutzungen und Rechten. Wenn also eine kirchliche oder weltliche Person, die diese Urkunde mit unserer Verordnung kennt, gegen sie verstoßen sollte, soll sie, wenn sie nach zweimaliger oder dreimaliger Mahnung ihren Versuch nicht aufgibt, die Strafe unserer Ungnade fühlen.

Zeichen Heinrichs des vierten ganz unbesiegbaren Kaisers der Römer.

Ich, der Kanzler Philipp, habe an Stelle des Erzkanzlers die Prüfung vorgenommen.

Gegeben im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 1123 in der 13. Indiktion, bei Lobwiesen, als der Herr Kaiser der Kirche den Ring und den Stab zurückgab.

In nomine sanctę et individuę Trinitatis. Heinricus divina favente clementia quartus [!] Romanorum imperator augustus.

Notum fieri volumus tam presentibus quam futuris Christi fidelibus, quod Godefridus comes et frater eius Otto castrum Capenberg, quod iure allodii possidebant, cum adiacentibus quatuor curiis Nette, Werne, Heile, Alsteden Deo patri omnipotenti et beatę Dei Genitrici Marię et beatissimis apostolis Petro et Paulo sanctisque omnibus spe futurę retributionis animati optulerunt, tradentes hoc venerabili fratri Norberto suisque fratribus sibi subiectis eorumque successoribus in canonica professione secundum apostolica instituta ibidem degentibus. Nos ipsis fratribus ad imperiale patrocinium confugientibus traditionem hanc ratam et inconvulsam permanere statuimus. Decernimus etiam et firmamus ex rogatu eorundem fratrum, quod nullus episcopus vel eiusdem ecclesię futurus prelatus potestatem habeat regulam, professionem, institutionem assumptam inmutare vel indulgentia laxioris licentię corrumpere. Advocatus ibi nullus sit, nisi quem fratres ipsi unanimiter elegerint. Qui si inconmodus vel inutilis fuerit, si semel, secundo vel tercio correptus non emendaverit, alium eligendi liberam habeant facultatem. Hoc et fideles Dei scirea) volumus, quod eidem Godefrido eiusque fratri pro redemptione animę meę supradicto sacerdote pro eis intercedente regiam offensam ex animo condonamus, obsides eorum manumittimus, et quicquid causę vel exactionis in ipsos habuimus vel habere possemus, ęternaliter postponimus. Ad hanc vero nostram traditionem testes ydoneos adhibuimus: Adelbertum Mogontinum archiepiscopum, Fridericum archiepiscopum Coloniensem, Hartwicum Ratisbonensem episcopum, Ottonem Bavenbergensem episcopum, Brunonem Spirensem episcopum, Herimannum Augustensem episcopum, Gebehardum Herbipolensem episcopum; alii quoque principes: Heinricus dux Bawariorum, Fridericus dux, Symon dux, Pertolfus dux et frater eius Cůnradus, marchio Theipoldus, marchio Engelbertus, Berengarius comes. Ut autem hęc nostrę traditionis auctoritas stabilis et inviolata omni permaneat evo, hanc inde cartam scribi et sigilli nostri impressione iussimus insigniri.

Preterea quascumque possessiones, quecumque bona in terris, vineis, mancipiis, censibus, decimis, molendinis, aquis aquarumve decursibus, pratis, pascuis, nemoribus, campestribus, montibus, collibus, vallibus aut quibuslibet aliis rebus predicta Capenbergensis ecclesia in presentiarum possidet aut in futurum concessione pontificum, largitione regum vel principum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis poterit adipisci, omnia ei imperatoria auctoritate confirmamus. In quibus hęc propriis vocabulis duximus exprimenda: Mengede, Curede, Sorbeke, Wisele, Weshem cum mansis et mansionariis et universis usibus et iusticiis suis. Si qua igitur ecclesiastica secularisve persona hanc nostrę constitutionis paginam sciens contra eam venire temptaverit, si secundo terciove commonita presumptionem suam non correxerit, indignationis nostrę pęnam sentiet.

Signum Heinrici quarti [!] Romanorum imperatoris4) invictissimi.

Phylippus cancellarius recognovi vice archicancellarii.

Data anno Dominicę incarnationis MoCoXXoIIIo, indictione XIIIa5), apud Lobwisen, quando dominus imperator anulum et baculum ęcclesię remisit.

1) Die anwesenden Zeugen sind 1122 in Worms im sog. Wormser Konkordat nachweisbar.

2) Nach Grundmann, Der Cappenberger Barbarossakopf, S. 19-21 und 73 vermutlich die Beteiligung der Cappenberger Grafen an dem Aufstand Lothars von Sachsen gegen Kaiser Heinrich V., in dessen Verlauf die Stadt Münster niederbrannte und der Bischof von Münster, der von den kaisertreuen Bürgern der Stadt zuvor vertrieben worden war, wieder in seine Rechte eingesetzt wurde.

3) Es folgt das Monogramm.

4) Indiktion für 1123 müsste 1 sein.

  1. a) Im Original steht durch einen Schreibfehler: scrire.

 

Ausfertigung – Pergament; 54,5 x 44 cm; aufgedrücktes Siegel des Kaisers Heinrich V., am oberen Rand abgebrochen – Rückvermerk

 

Original: Stiftsarchiv Cappenberg, Urkunden, Nr. 1

Abschrift (Auszug): Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen (Münster), Manuskripte II, Nr. 25, Bl. 17v

Druck: Teschenmacher, Annales, Nr. 39, S. 32-33; WUB, Bd. 1, Nr. 195; Niesert, Münsterische Urkundensammlung, Bd. 2, Nr. 39; Bockhorst/Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen, Nr. 2

Regest und Abschrift: Bockhorst / Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen

Übersetzung: Dr. Wolfgang Bockhorst

1126

Regest und Abschrift: Bockhorst / Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen

Übersetzung: Dr. Wolfgang Bockhorst

1126 Februar 27, Lateran

Papst Honorius [II.] bestimmt zugunsten des Bruders Norbert [von Xanten] und seiner Ordensbrüder [Prämonstratenser] in der Kirche der hl. Maria zu Cappenberg, dass sowohl in der Cappenberger Kirche – zu dessen Errichtung Graf Gottfried [von Cappenberg] und sein Bruder und Miterbe Otto dem Gottvater der hl. Maria und den hl. Aposteln ein Gut geweiht haben – als auch in Varlar und in Ilbenstadt, wo Brüder ein kanonisches Leben führen, niemand die eingeführte Regel des hl. Augustinus verändern darf. Auch soll kein Bischof die Brüder aus diesen Kirchen vertreiben. Ohne allgemeine Erlaubnis der Gemeinschaft darf keiner, der das Gelübde abgelegt hat, die Kirchen oder Klöster verlassen. Kein Bischof, kein Abt, kein Mönch und kein Mensch darf ohne schriftliche Sicherheit einen Flüchtling [der Gemeinschaft der Ordensbrüder] aufnehmen. Keine kirchliche oder weltliche Person soll in die Cappenberger Kirche und sein Umfeld durch Gewalt oder List eindringen, sie besetzen oder befestigen. Die Güter und Besitzungen, die Gottfried und Otto [von Cappenberg] gestiftet und die andere den Kirchen übertragen haben, werden bestätigt, nämlich Werne, Nette[berge], Alstedde, Heil, Cappenberg, Mengede, Coerde, Saerbeck, Wesel, Wessum, Speldorf, Hassel und Lenklar mit allem Zubehör. Auch künftige Erwerbungen sollen geschützt werden. Niemand soll die Kirchen beeinträchtigen, vorbehaltlich des kanonischen Rechtes der Diözesanbischöfe. Denjenigen, die gegen diese Bestimmungen verstoßen, drohen Höllenstrafen, während sich diejenigen, die diese Kirchen unterstützen, den Himmel verdienen.

Papst Honorius siegelt.

Papst Honorius, Diener der Diener Gottes, an den in Christus geliebten Bruder Norbert und seine Brüder, die im Kloster der hl. Maria zu Cappenberg das Ordensgelübde abgelegt haben, und ihren Nachfolgern auf ewig. Uns ist die Sorge für die universale Kirche von Gott, dem Fürsorger für alles Gute, dazu übertragen worden, dass wir religiöse Personen hochachten und uns bemühen, den Gott wohlgefälligen Glauben in jeder Weise zu verbreiten. Und niemals kann ein Gott gefälliger Dienst geleistet werden, wenn er nicht, aus der Wurzel der Nächstenliebe erwachsen, in der Reinheit des Glaubens bewahrt wird. In dieser Rücksicht auf die Nächstenliebe haben wir uns leiten lassen, deinen berechtigten Wünschen nachzukommen. Wir haben daher festgelegt und bestätigen durch apostolische Autorität, dass im Kloster zu Cappenberg, zu deren Errichtung Graf Gottfried und sein Bruder und Miterbe Otto den Grund Gott und der hl. Maria und den hl. Aposteln übertragen haben, und in Varlar und Ilbenstadt, in denen Brüder, die ein kanonisches Leben zu führen gelobt haben, leben, durchaus niemandem erlaubt sein soll, nach Erlass der Regel des hl. Augustinus in diesen Kirchen die Ordnung zu verändern. Auch soll in künftigen Zeiten kein Bischof wagen, die Brüder dieses Glaubens aus diesen Klöstern zu vertreiben. Auch soll  keiner, der das kanonische Gelübde abgelegt hat, wagen, sich ohne Erlaubnis der ganzen Gemeinschaft aus den Kirchen oder Klöstern zu entfernen, und kein Bischof, kein Abt, kein Mönch und überhaupt kein Mensch darf einen Flüchtling ohne schriftliche Sicherheit aufnehmen. Wir verbieten also und untersagen gänzlich, dass keine kirchliche oder weltliche Person versuchen soll, Cappenberg und seinen Umkreis durch Gewalt oder List zu betreten, zu besetzen oder zu befestigen. Wir bestätigen auch die Güter und Besitzungen, die die genannten Brüder, und die Eigengüter, die andere Gläubige diesen Kirchen als rechte Almosen zum Nutzen der Kanoniker rechtmäßig übertragen haben, durch diese Urkunde. Von diesen haben lassen wir folgende namentlich nennen: nämlich Werne, Nette, Alstedde, Heil, Cappenberg, Mengede, Coerde, Saerbeck, Wesel, Wessum, Speldorf, Hassel Lenklar mit allen ihren Nutzungen, nämlich Wiesen und Weiden, Wegen und unwegsamen Gegenden, Bächen und Gräben, Mühlen, Wäldern und Feldern. Außerdem soll alles, was ihr künftig durch Erlaubnis der Päpste, Großzügigkeit der Könige oder Fürsten oder in anderer rechtmäßiger Weise ordentlich erwerben könnt, euch und euren Nachfolgern, die beim Vorsatz des wahren Glaubens verbleiben, dauerhaft und ungemindert gewahrt werden. Wir beschließen also, dass durchaus keinem Menschen erlaubt sein soll, diese Klöster grundlos zu beunruhigen oder ihre Besitzungen zu rauben oder Geraubtes zurückzuhalten, sie zu schmälern oder durch grundlose Plackereien zu quälen, sondern alles soll vollständig bewahrt werden zum Nutzen der Ordensbrüder und der Armen, doch bleibt den Diözesanbischöfen künftig ihr kanonisches Recht vorbehalten. Sollte also künftig eine kirchliche oder weltliche Person im Wissen um diese Bestätigungsurkunde versuchen, gegen sie grundlos vorzugehen, soll sie, wenn sie nach zwei- oder dreimaliger Mahnung keine geeignete Genugtuung leisten sollte, den Rang ihrer Macht und Würde verlieren und sie soll wissen, dass sie sich wegen des begangenen Unrechts als Angeklagte im göttlichen Gericht befindet, und sie soll vom heiligsten Fleisch und Blut unseres Gottes und Herrn Erlösers Jesus Christus ausgeschlossen und beim letzten Gericht strenger Bestrafung unterworfen sein. Allen aber, die diesen Klöstern in rechter Weise dienen, sei der Frieden unseres Herrn Jesus Christus, dass sie schon hier die Frucht der Wohltat erlangen und beim strengen Richter den Lohn ewigen Friedens finden mögen. Amen. Amen. Amen.

Ich Honorius Bischof der katholischen Kirche. Lebt wohl.

Gegeben im Lateran durch die Hand des Aimerich, Kardinaldiakon der heiligen Römischen Kirche und Kanzler, an den III. Kalenden des März, dritte Indiktion, im Jahr der Fleischwerdung 1126, im zweiten Jahr des Pontifikats des Papstes Honorius II.

Honorius episcopus servus servorum Dei dilecto in Christo fratri Norberto et eius fratribus in ecclesia sanctę Marie de Cappenberk regularem vitam professis eorumque successoribus in perpetuum.

Ad hoc universalis ecclesiae cura nobis a provisore omnium bonorum Deo commissa est, ut religiosis diligamus personas et beneplacentem Deo religionem studeamus modis omnibus propagare. Nec enim Deo gratus aliquando famulatus impenditur, nisi ex caritatis radice procedens a puritate religionis fuerit conservatus. Hoc nimirum karitatis intuitu rationabilibus tuis postulationibus duximus annuendum. Statuimus itaque et apostolica auctoritate firmamus, ut in ecclesia Cappenberk, cuius construendę fundum comes Godefridus et frater eius atque coheres Otto Deo ac sanctae Mariae sanctisque apostolis obtulerunt, et Warlar et Elofstat, in quibus fratres vitam canonicam professi degunt, nulli omnino liceat secundum beati Augustini regulam in eisdem ecclesiis constitutum ordinem commutare. Nullus etiam episcoporum futuris temporibus audeat eiusdem religionis fratres de eisdem ecclesiis expellere. Nec professionis canonicae quispiam ex eisdem ecclesiis aut claustris audeat sine communi congregationis permissione discedere, discedentem vero nullus episcoporum, nullus abbatum, nullus monachorum, nullus omnino hominum sine communium litterarum cautione suscipere. Prohibemus igitur et omnino interdicimus, ut nulla ecclesiastica secularisve persona Cappenberk et eius ambitum vi vel fraude intrare, occupare vel incastellare presumat. Bona etiam et possessiones, quas supradicti fratres, et allodia, quae alii fideles eisdem ecclesiis ex iustis helemosinis in usus canonicorum legitime contulerunt, presentis scripti pagina confirmamus. In quibus hec propriis nominibus duximus annotanda, videlicet: Werne, Netthe, Alsteden, Heile, Cappenberk, Mengethe, Chorethe, Sorbeke, Wisele, Wisheim, Spelthorp, Hasela, Lanclar cum universis usibus earum, scilicet pratis et pascuis, viis et inviis, rivis et irriguis, molendinis, nemorosis et campestribus. Quaecumque preterea in futurum concessione pontificum, liberalitate regum vel principum vel aliis iustis modis canonice poteritis adipisci, firma vobis vestrisque successoribus in sanctę religionis proposito permansuris et illibata serventur. Decernimus ergo ut nulli omnino hominum liceat easdem ecclesias temere perturbare, aut earum possessiones auferre vel ablatas retinere, minuere vel temerariis vexationibus fatigare, sed omnia integra conserventur regularium fratrum et pauperum usibus profutura salva diocesanorum episcoporum canonica iustitia. Si qua igitur in futurum ecclesiastica secularisve persona hanc nostrae constitutionis paginam sciens contra eam temere venire temptaverit, secundo tertiove commonita si non satisfactione congrua emendaverit, potestatis honorisque sui dignitate careat reamque se divino iudicio existere de perpetrata iniquitate cognoscat et a sacratissimo corpore ac sanguine Dei et Domini redemptoris nostri Jhesu Christi aliena fiat atque in extremo examine districtae ultioni subiaceat. Cunctis autem eisdem ecclesiis iusta servantibus sit pax Domini nostri Jhesu Christi. Quatenus et hic fructum bonae actionis percipiant et apud districtum iudicem premia aeternae pacis inveniant. Amen. Amen. Amen.

Egoa) Honorius catholicae aecclesiae episcopus. Bene valete.

Datum Laterani per manum Aimerici, sanctę Romanae ecclesiae diaconi cardinalis et cancellarii, III. kalendas Martii, indictione IIII., anno Dominicę incarnationis MoCoXXVI, pontificatus domni Honorii secundi papae anno II.

  1. a) Davor Spruchkreis mit der Inschrift: Oculi Domini super iustos; sanctus Petris [!], sanctus Paulus; Honorius II.

Ausfertigung – Pergament; 31,5 x 50 cm; Bleibulle des Papstes Honorius II. an Seidenfäden, erhalten – Rückvermerk

 

Original: Stiftsarchiv Cappenberg, Urkunden, Nr. 2

Abschrift: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen (Münster), Manuskripte II, Nr. 39/1, Bl. 4r-5v

Druck: WUB, Bd. 2, Nr. 197; Bockhorst/Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen, Nr. 3

1161

Regest und Abschrift: Bockhorst / Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen

Übersetzung: Dr. Wolfgang Bockhorst

1161 (Juni 1922)1), Lodi

Kaiser Friedrich [I.] nimmt auf Bitten des Propstes Otto, seines Blutsverwandten, und des Konventes der der hl. Maria und dem hl. Apostel und Evangelisten Johannes geweihten Kirche in Cappenberg in seinen Schutz, wie dies schon [1122 September] sein Vorgänger Kaiser Heinrich V. getan hat. Er bestimmt, dass hier für alle Zeiten die Regel des hl. Augustinus gelten soll, und bestätigt die Besitzungen, nämlich Cappenberg, Coerde, Wesel, Wessum, Werne, Heil, Alstedde, Mengede, Nette[berge], Hilbeck, Saerbeck, Langern, Wethmar, Lenklar, Stikelewic, Herbern, Velmede, das Gut, das Winemar aus eigenem Recht gegeben hat, und die Kirchen in Werne und Ahlen mit der Aufsicht über die Pfarreien sowie die Kirche zu Saerbeck. Keine geistliche oder weltliche Person soll Cappenberg und seine Umgebung durch Gewalt oder List in Besitz nehmen oder befestigen oder den Konvent von dort verdrängen. Niemand soll das Stift Cappenberg bedrücken oder ihm die genannten Besitzungen sowie die kleinen Zehnten zu Wesel, Forest und Kassel zu entziehen suchen. Wer gegen diese Bestimmungen verstößt und auch auf die dritte Mahnung hin keine Wiedergutmachung gewährt, verfällt in eine Strafe von 100 Pfund Gold, die jeweils halb an die kaiserliche Kammer und an das Stift Cappenberg Kirche gehen sollen.

Zeugen sind Hillin [von Fallmagne], Erzbischof von Trier, Friedrich [von Are], Bischof von Münster, Heinrich [von der Leyen], Bischof von Lüttich, Gottfried [von Rhenen], Bischof von Utrecht, Werner [aus Bückeburg], Bischof von Minden, Bischof Evergis von Paderborn, Bischof Hermann von Verden, Albert [von Marcey], Bischof von Verdun, Bischof Wilmar von Brandenburg; Pfalzgraf Konrad bei Rhein, Pfalzgraf Otto von Wittelbach, Friedrich [IV. von Rothenburg], Herzog von Schwaben, und Ludwig [II., Land-] Graf von Thüringen.

Kaiser Friedrich [I.] siegelt.

In nomine sancte et individue Trinitatis.

Fridericus divina favente clementia Romanorum imperator et semper augustus. Religiosam vitam eligentibus imperiale convenit adesse presidium et protectionis nostre suffragium impertiri, ne forte cuiuslibet temeritatis incursus aut eos a proposito revocet aut robur, quod absit, sacre religionis infringat. Eapropter dilectissimi consanguinei nostri Ottonis prepositi ceterorumque fratrum in ecclesia beate Marie sanctique Johannis apostoli et euvangeliste de Capenberge ad Dei servitium congregatorum iustis petitionibus clementer annuimus, et dive memorie progenitoris nostri Henrici imperatoris IIII. vestigiis inherentes, prefatam ecclesiam, in qua divino mancipati sunt obsequio, sub imperiali protectione suscipimus et presentis scripti privilegio communimus. Inprimis siquidem statuentes, ut ordo canonicus, qui secundum Dei timorem et beati Augustini regulam ibi auctore domino institutus esse dinoscitur, perpetuis ibidem temporibus inviolabiliter observetur. Pretera quascumque possessiones, quecumque bona in terris, vineis, mancipiis, censibus, decimis, molendinis, aquis aquarumve decursibus, pratis, pascuis, nemoribus, campestribus, collibus, vallibus aut quibuslibet aliis rebus eadem ecclesia inpresentiarum iuste possidet aut in futurum concessione pontificum, largitione regum vel principum, oblatione fidelium seu aliis iustis modis Deo propitio poterit adipisci, firma eis eorumque successoribus et illibata permaneant. Inprimis in quibus hec propriis duximus vocabulis exprimenda: Capenberg, Curede, Wisele, Wesheim, Werne, Heile, Alstede, Mengede, Nette, Hylibecce, Sorbeke, Langere, Wetmare, Lenclare, Stikelewic, Herberite, Velmede et quicquid eisa) Winemarus de iure suo concessit, ecclesias Wernam, Alnon, necnon decaniam in predictis ecclesiis, ecclesiam de Sorbeke. Ad hec paci et quieti eorum providere obtantes, imperiali auctoritate inibemus, ut nulla ecclesiastica secularisve persona Capenberg et eius ambitum vi vel fraude occupare vel incastellare presumat aut religiose conversationis viros exinde removere. Decernimus ergo, ut nulli omnino hominum liceat eandem ecclesiam temere perturbare aut eius possessiones prefatas nec non minutas decimas de Wisela, de Foresta, de Cassla auferre vel ablatas retinere, minuere seu aliquibus versationibus fatigare, set illibata omnia et integra conserventur eorum, pro quorum gubernatione ac sustentatione concessa sunt usibus omnimodis profutura. Si qua igitur in futurum ecclesiastica secularisve persona hanc nostre constitutionis paginam sciens contra eam venire temptaverit, secundo tertiove commonita, nisi presumptionem suam congrua satisfactione correxerit, indignationis nostre penam sentiat C libras auri compositura, medietatem camere nostre, alteram medietatem prefate ecclesie. Huius rei testes sunt: Hillinus archiepiscopus Treverensis; episcopi: Fridericus Monasteriensis, Henricus Leodiensis, Gottifridus Traiectensis, Guarnerus Mindensis, Hevirgisus Padeburnensis, Helimannus Verdensis, Albero Verdunensis, Guillimarus Brandeburgensis; principes: Conradus comes palatinus de Reno, Otto comes palatinus de Guitlisbach, Fridericus dux Suevie, Lodoewicus comes provincialis.

Signum Domini Frederici Romanorum imperatoris victoriosissimi.b)

Ego Reinaldus Coloniensis archiepiscopus et archicancellarius recognovi.

Acta sunt hęc anno Dominice incarnationis MoCoLXIIc), indictione VIIII, regnante domino Frederico Romanorum imperatore victoriossimo. Anno regni eius Xo, imperii vero VIIo.

Data Laude in generali concilio. Feliciter amen.

1) Siehe Grundmann, Der Cappenberger Barbarossakopf, S. 94 f; Petry, Die ältesten Urkunden und die frühe Geschichte des Prämonstratenserstiftes Cappenberg in Westfalen, S. 274 f.

  1. a) Rasiert; WUB hat: alias.
  2. b) Folgt das Monogramm.
  3. c) Interpolation; 1161 nachträglich zu 1162 korrigiert; s. a. Anm. 1).

 

Ausfertigung – Pergament; 45 x 51 cm; durchgedrücktes Siegel des Kaisers Friedrich I., beschädigt – Rückvermerk

 

Original: Stiftsarchiv Cappenberg, Urkunden, Nr. 16

Abschrift: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen (Münster), Manuskripte II, Nr. 45, Bl. 18v-19r

Druck: Appelt, Monumenta Germaniae historica. Diplomata, Bd. 10,2, Nr. 333; WUB, Bd. 2, Nr. 325; Grundmann, Der Cappenberger Barbarossakopf, S. 111-113; Bockhorst/Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen, Nr. 9

1161-1171

Regest und Abschrift: Bockhorst / Niklowitz, Urkundenbuch Lünen

Übersetzung: Dr. Gerlinde Niemeyer (gedruckt in: Appuhn, Beobachtungen, S. 186)

1161-1171 (richtig: 1156 ?)1)

Otto, der zusammen mit seinem verstorbenen Bruder Gottfried die Cappenberger Kirche gegründet hat und nun dritter Propst derselben ist, hat sich den Apostel Johannes als Patron erwählt und dem Konvent folgende Einkünfte für die Feier der Feste des hl. Johannes übertragen:

in Wethmar 16 Schillinge zur Beleuchtung der Kirche; bei Ingelheim vom Baumgarten ein Fuder Wein, den die Weseler zahlen sollen; in Remagen die Hälfte des Weins von dem Weinberg Chundmen; ebenfalls in Remagen eine Mark, die der Cappenberger Kellner geben soll; in Wessum vier münsterische Schillinge von der Hufe des „faber“; in Hagen vier münsterische Schillinge; in Ripenhorst zwei münsterische Schillinge; in Erthburg neun Dortmunder Schillinge; aus seinem Erbe in Hilbeck vier Scheffel Nüsse zur Entzündung der Lampen an den Festen des hl. Johannes; an der Oktav des hl. Johannes [Januar 3] sollen die Schwestern in Wesel aus Budenrothe drei Weseler Schillinge und drei Malter Weizen erhalten.

Diese Bestimmung soll nicht nur den folgenden Pröpsten, sondern auch den Brüdern und Schwestern zur Kenntnis gebracht werden.

Weiter hat Otto dem Stift Cappenberg das von ihm so genannte goldene Kreuz des hl. Johannes, verziert mit Gemmen und goldenen Ketten, geschenkt und auch den silbernen, nach dem Bild des Kaisers geformten Kopf, mit dessen gleichfalls silbernen Taufschüssel und den Kelch, den ihm der Bischof von Troyes geschickt hat. Auch diese Schenkung soll der ganzen Kongregation angezeigt werden.

Propst Otto von Cappenberg siegelt.

Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Ich, Otto, von Gottes Gnaden mit meinem Bruder Gottfried seligen Andenkens demütiger Gründer der Capenberger Kirche, später aber durch die gleiche Gnade desselben Ortes dritter Propst, an alle meine künftigen Nachfolger:

Weil nach der Gewohnheit und Ergebenheit einiger nicht abgeschmackter Denkender, die sich besonders Patrone aus der Zahl der Heiligen wählen, auch ich den heiligsten und durch die Liebe Christi bevorzugten geliebten Apostel Johannes mir mit größter Ergebenheit zum Patron gewählt habe, dulde ich nicht, dass diese Ergebenheit der Bestätigung durch Werke ermangele, denn wie es heißt, ist die Bewährung der Liebe die Darbringung von Werken.

Daher war ich bestrebt, nach Kräften Einiges zusammenzutragen, wovon an beiden Festen dieses seligen Johannes unseren in Gott geliebten Brüdern eine feierlichere Mahlzeit bereitet werden könnte. Das führe ich im Folgenden namentlich auf, damit es nicht durch Nachlässigkeit der Vergessenheit anheimgegeben werden oder durch Betrug irgendwie unterschlagen werden kann:

In Wethmar 16 Schillinge für das ewige Licht dieser Kirche; aus der Pflanzung bei Ingelheim ein Fuder Wein, das die Weseler erhalten; in Remagen die Hälfte des Weins von einem Weinberg, der Chundemen genannt wird; ferner in Remagen eine Mark, die der Kellner von Cappenberg austeilen wird; in Wessum vier münsterische Schillinge von dem Kotten, den der Schmied besitzt; in Hagen vier münsterische Schillinge; in Ripenhorst zwei Schillinge der gleichen Münze; in Erthburg neun dortmunder Schillinge; aus unserem Haus in Hilbeck vier Scheffel Nussschalen zum Anzünden de Lampen an beiden Festen des hl Johannes; aus Budenrothe fünf weseler Schillinge und 3 Malter Roggen für die Schwestern in Wesel am Fest der Oktav des hl. Johannes nach Weihnachten.

Vom Folgenden aber will ich, dass es nicht nur der Kenntnis meiner Nachfolger, sondern auch der des ganzen Konvents eingeprägt sei: dass ich nämlich – so wie ich das Obenstehende den Mahlzeiten der genannten Brüdern und Schwestern zukommen ließ, so auch ein goldenes Kreuz, das ich [Kreuz] des hl. Johannes zu nennen pflegte, mit Gemmen und goldenen Kettchen, sowie das silberne Haupt, das nach dem Bild des Kaisers geformt ist, mit seiner ebenfalls silbernen Schüssel, wie auch den Kelch, den mir der Bischof von Trroyes schickte –, dass ich dies ausdrücklich zum ewigen Schmuck der genannten Kirche in aller Ergebenheit unverbrüchlich geschenkt habe.

Dies alles also, so wie es hier aufgeschrieben ist, vertraue ich nicht nur meinen Nachfolgern, sondern auch dem ganzen Konvent zu bewahren und zu erfüllen an mit jenem Vertrauen, mit dem Christus seine heiligste Mutter und ewige Jungfrau seinem lieben Johannes am Kreuz hängend anvertraute. Und weil diese Anempfehlung zwar einem frommen Herzen lieb ist, ein hartes und vermessenes Herz jedoch nicht genügend schreckt oder zwingt, binden wir den Verletzer dieser Urkunde mit ewigem Bann, bis er sich bekehrend alles, was er minderte oder entzog, vollständig wiederhergestellt und erneuert hat. Dem Bewahrer sei Frieden und Gnade vom Vater und Sohn und heiligen Geist; den Verächter möge der Zorn und die Rache dieser Dreifaltigkeit und ungeteilten Einheit verfolgen. So sei es, so sei es.

In nomine sanctę et individuę Trinitatis patris et filii et spiritus sancti.

Ego Otto Dei gratia Capenbergensis ęcclesię cum pię memorię fratre meo Godefrido devotus fundator, postea autem eadem gratia tercius eiusdem loci prepositus, omnibus successoribus meis in perpetuum. Quoniam iuxta consuetudinem et devotionem quorundam non insipienter cogitantium, qui sibi speciales patronos de numero sanctorum eligunt, ego quoque sanctissimum et Christo privilegio amoris dilectum Johannem apostolum mihi summa cum devotione patronum elegi, non sum passus, hanc devotionem operis attestatione carere, iuxta illud, quod dictum est, probatio dilectionis exhibitio est operis. Itaque studui pro viribus aliqua colligere, de quibus in utroque festo ipsius beati Johannis Deo dilectis fratribus nostris refectio sollempnior procurari posset, que et nominatim subscripsi, ne vel ignorantia neglectui dari vel dolo possent ullatenus subcelari: in Wetmere XVI solidos ad perpetua luminaria ęcclesię ipsius, apud Ingelenheim de plantario carratam vini, quam persolvent Wiselenses, in Reomago medietatem vini de quadam vinea, que vocatur Chundmen, item in Reomago marcam, quam dabit cellerarius Capenbergensis, in Wesheim IIIIor solidos Monasterienses de manso, quem faber tenuit, in Hagen IIIIor solidos Monasterienses, in Ripenhorst II solidos eiusdem monetę, in Erthburg IX solidos Tremonienses, domus nostra in Hilbeke IIII modios nucum ad lampades succendendas in utroque festo s. Johannis, de Bůdenrothe V solidos Wiselenses et tres maldros siliginis sororibus in Wisela in octavam s. Johannis post nativitatem Domini. Sed et hoc non solum successorum meorum, verum etiam totius congregationis noticię impressum esse cupio, quod sicut hec quę prescripta sunt, ad memoratam fratrum ac sororum refectionem deputavi, ita etiam crucem auream, quam sancti Johannis appellare solebam, cum gemmis et catenulis aureis, quin et capud argenteum ad imperatoris formatum effigiem cum sua pelvi nichilominus argentea, necnon et calicem, quem mihi Trekacensis misit episcopus, quod hęc inquam ad perpetuum ornatum memoratę ęcclesię tota devotione inviolabiliter dedicavi. Igitur hec omnia ita ut hic annotata sunt, non solum successoribus meis, sed etiam toti congregationi conservanda atque adimplenda, in ea fide committo, qua Christus matrem suam sanctissimam et perpetuam virginem caro suo Johanni in cruce pendens commendavit. Et quoniam hec commendatio licet pio cordi amabilis sit, tamen durum et temerarium cor non satis terret aut constringit, huius paginę violatorem ęterno ligamus anathemate, quousque resipiscens, quęcumque imminuit aut subtraxit, ad integrum restauret atque reformet. Conservatori sit pax et gratia a patre et filio et spiritu sancto, contemptorem eiusdem Trinitatis et individuę unitatis ira et vindicta persequatur. Fiat. Fiat.

1) 1156 wird Otto Propst zu Cappenberg; 1161 erwähnt Kaiser Friedrich I., dass das Stift Cappenberg unter dem Schutz des Apostels Johannes steht. – Petry datiert auf die Zeit nach dem Privileg Barbarossas 1161 und vor Ottos Tod 1171 (Petry, Die ältesten Urkunden und die frühe Geschichte des Prämonstratenserstiftes Cappenberg in Westfalen, S. 282).

 

Ausfertigung – Pergament; 36,5 x 46,5 cm; eingehängtes Siegel des Propstes Otto von Cappenberg – Rückvermerk

 

Original: Stiftsarchiv Cappenberg, Urkunde Nr. 13

Abschrift: Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen (Münster), Manuskripte II, Nr. 87, Bl. 2r

Druck: Westfälisches Urkundenbuch (WUB), Bd. 2, Nr. 310; Bockhorst/Niklowitz, Urkundenbuch der Stadt Lünen, Nr. 10

Literaturnachweis:

Appelt, H. (Bearb.): Monumenta Germaniae historica. Diplomata Bd. 10,2. Die Urkunden Friedrichs I. 1158-1167. Hannover 1979

Appuhn, Horst: Beobachtungen und Versuche zum Bildnis Kaiser Friedrichs I. Barbarossa in Cappenberg. In: Aachener Kunstblätter. Band 44. Sonderdruck Aachen 1973, S. 129-192

Bockhorst, Wolfgang / Niklowitz, Fredy: Urkundenbuch der Stadt Lünen bis 1342. Lünen 1991

Erhard, Dr. Heinrich August (Bearb.): Westfälisches Urkundenbuch (WUB). Band 1. Münster 1847. Neudruck Osnabrück 1972

Erhard, Dr. Heinrich August (Bearb.): Westfälisches Urkundenbuch (WUB). Band 2. Münster 1851. Neudruck Osnabrück 1972

Grundmann, H.: Der Cappenberger Barbarossakopf und die Anfänge des Stiftes Cappenberg. Köln-Graz 1959

Niesert, Joseph: Münsterische Urkundensammlung. Band 2. Coesfeld 1827

Petry, M.: Die ältesten Urkunden und die frühe Geschichte des Prämonstratenserstiftes Cappenberg in Westfalen. Teil 1. In: Archiv für Diplomatik 18 (1972), S. 143-289

Teschenmacher, Werner: Annales Cliviæ, Juliæ, Montium, Marcæ, Ravensbergæ, Geldriæ et Zutphaniæ […]. Frankfurt [am Main] 1721

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